Matrosenbräute, die sich schluchzend von ihren uniformierten Männern am Kai verabschieden: Derlei hat die deutsche Öffentlichkeit seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehen. Freilich könnten auch Tränen fließen angesichts des unklaren Ziels der kleinen Bundesmarine. Ihr größter Einsatz in der Republikgeschichte vereint drei Fregatten, vier Schnellboote und Minensucher, Tanker- und Versorgungsschiffe, ein paar Seefernaufklärer und Hubschrauber in der gemeinsamen Suche nach einem unbekannten Feind (Al-Qaida, Somalier, Jemeniten?) irgendwo am "Horn von Afrika". Benötigt werden außerdem ein brauchbarer Hafen, eine Landebahn - und ein präziser Kampfauftrag. Man führt ja Waffen mit.

Sitzt der eigentliche Befehlshaber in Washington oder in Berlin? Und der terroristische Gegner? Fährt er Schlauchboot, arabische Dhau oder Seelenverkäufer? Fliegt er heimlich ausrangierte Boeings, oder bevorzugt er nicht doch die bequemen Linienflüge der Saudi Arabian Airlines? Von wo nach wo? Will die deutsche Marine Prisenrecht im Frieden geltend machen? Auch diese Frage, heißt es im Berliner Bendlerblock, sei "noch Gegenstand von Verhandlungen". Jede Butterschiff-Fahrt folgte genaueren Geschäftszielen.

Eine Aktiengesellschaft, die ihre Menschen und Produktionsmittel so ziellos exponiert, die ihre unmittelbare Zukunftsaufgabe und deren Erfolgsaussichten so vage definiert wie die Bundeswehrführung in diesen Tagen, verkäme zum Spott der Börse. Doch hier geht es um mehr.

Afghanistan liegt anderswo

Im November hatte der Bundestag den Einsatz deutscher Soldaten im Antiterrorfeldzug der amerikanisch dominierten Solidargemeinschaft "11.

September" genehmigt. Der Bundeskanzler erhoffte sich das Recht auf mäßigende Mitsprache im militärischen Geschehen. Das Schlachtfeld lag in Afghanistan - oder dort, wo Präsident Bush den neuen Weltfeind ortet. "Wer Somalia ausschließt, ist ein Narr", sagte der treuherzige deutsche Verteidigungsminister kurz vor Weihnachten - und wurde von seinem amerikanischen Kollegen Rumsfeld ob seiner Indiskretion abgekanzelt wie ein ungezogener Gefreiter. Die Marschrichtung bestimmt der Stratege im Weißen Haus und nicht - wie hieß er doch gleich? - "this German".

Der darf jetzt die deutschen ABC-Spürpanzer Fuchs nach Kuwait schicken.