Wochenlang hatten die Präambelschreiber nach den Visionen gesucht, die den rot-roten Koalitionären fehlten. Jetzt haben sie selbst diejenigen unangenehm überrascht, die von einer Regierung Gysi-Wowereit gar nichts halten. Völker hört die Signale! Da wird die "Absicht" unterstrichen, "Politik für das ganze Berlin zu gestalten"

da "will" man "eine Stadt, in der die Menschen gerne leben". Wir sagen Danke! Da will die Regierung "die Nutzung und Akzeptanz des Erfahrungsschatzes der Menschen", will "die unterschiedlichen Biographien zusammenführen und fruchtbar machen". Da wird der öffentliche Dienst richtig spannend! Oder spukt da eine totalitäre Sozialpädagogik für Berlin? Die Koalition verspricht noch viel mehr, sogar ihr "Wissen um die Verpflichtung Berlins zu bundesfreundlichem Verhalten" und die Zugehörigkeit zum "nordatlantischen Bündnis". Das ist neu: Noch nie hatte eine Landesregierung es nötig gehabt, so etwas zu erklären!

Verräterische Phrasen! Der Subtext signalisiert, dass mit der PDS das Selbstverständliche infrage steht: die Einheit Berlins, die Westorientierung.

Die Sprache erinnert an diplomatische Formeln vor 1989. Hier atmet allenfalls der Geist von Helsinki, nicht der der Gegenwart oder gar der Zukunft. Berlin erscheint als Objekt parteipolitischer Geschichtsbewältigung. Die "Zwangsvereinigung" KPD und SPD und die "notwendige Erneuerung der PDS" werden lang und breit beschworen. Diese Regierung repräsentiert nicht die Metropole, sondern die Stadt der Funktionäre und Kader. KH