Die Rezession in den USA stellt ein politisches Erbe Bill Clintons auf den Prüfstand: die Wohlfahrtsreformen der Neuen Demokraten. Clinton probierte nämlich als Erster, was später Tony Blair in Großbritannien inspirierte: einen Umbau der Sozialhilfe zugunsten der Arbeitswilligen

einen Sozialstaat, in dem sich Faulheit nicht auszahlt. Doch jetzt verschwinden in den USA Hunderttausende Jobs in Hotels, Verkehrsunternehmen und Restaurants - genau in den Branchen, die die arbeitswilligen Geringverdiener bisher aufgenommen haben. Kein Wunder, dass auch Amerikas Sozialpolitiker neuerdings wieder von einem Ausbau ganz konventioneller Sozial- und Arbeitslosenhilfe reden.

Drei Dinge standen im Mittelpunkt der Clintonschen Sozialreformen: mehr Auflagen für Sozialhilfeempfänger, ein akzeptabler Mindestlohn - und saftige Zuschüsse für Niedrigverdiener. Letztere wurden vor allem als Earned Income Tax Credits (EITC) gewährt, eine Steuergutschrift für Haushalte mit geringem Einkommen. Sie dürfen sich über einen jährlichen Scheck freuen: In manchen Fällen legt EITC auf niedrige Löhne noch mal 40 Prozent drauf.

Bill Clinton hatte EITC nicht erfunden. Erstmals wurden Lohnsubventionen 1975 gezahlt

richtig Geld steckte dann ausgerechnet der Republikaner Ronald Reagan in das Programm

unter Clinton wurde es weiter kräftig ausgebaut und um ähnlich wirkende Programme ergänzt. Im Verlauf der neunziger Jahre verzehnfachten sich die staatlichen Hilfen für Familien mit Niedriglohneinkommen auf 50 Milliarden US-Dollar, und EITC machte etwa die Hälfte dieses Wachstums aus. Zugleich schrumpften die anderen Säulen des ohnehin löchrigen amerikanischen sozialen Netzes, sodass Zuschüsse über das EITC immer wichtiger wurden.

Die Amerikaner sind mit dem Programm dennoch nicht schlecht gefahren.