Fünf Mitglieder der Partei C waren zum Geheimtreffen in einem feinen Berliner Restaurant erschienen. Dort überreichte ein Spender ihnen einen höchst konspirativen Lederkoffer. Doch hinterher wurden die Empfänger zum Wahrheitstest ins Labor gebeten - von Forschern der Berliner Freien Universität.

Untersucht wurden nicht nur die fünf Emissäre, sondern sämtliche Parteifreunde - kein Problem: Partei C hatte nur zehn Mitglieder, Studenten hatten sie für den Versuch formiert. Aber welche fünf waren an der Übergabe beteiligt gewesen? Alle leugneten "unter branchenüblichen Ehrenwortsbekundungen", berichtet der Versuchsleiter, Klaus-Peter Dahle. Es half nichts. Ein Lügendetektor erfasste verräterische kleine Schweißausbrüche. "Wir haben sie alle erwischt", freut sich der Psychologe Dahle.

Gut zwei Jahre nachdem der Bundesgerichtshof den Lügendetektor als "völlig ungeeignetes Beweismittel" vom Richtertisch fegte, arbeiten deutsche Forscher emsig an der Rehabilitierung des skandalumwitterten Verfahrens. An der Universität Mainz beispielsweise werden fingierte Schmuckdiebstähle aufgeklärt, und vier Psychologieprofessoren haben sich sogar zu Polygrafie-Sachverständigen ausbilden lassen. Den exklusiven Lügendetektorkurs leitete Professor Udo Undeutsch in Köln, hierzulande mit 84 Jahren die graue Eminenz in Sachen Lügendetektor. Trotz des BGH-Verdikts spreche "einiges dafür", die geächtete Methode "im Ermittlungsverfahren anzuwenden", versicherten unlängst im Fachblatt Kriminalistik zwei der frisch gebackenen Polygrafer - der Dekan an der Fachhochschule Leipzig, Thomas Fabian, und sein Bremer Professorenkollege Michael Stadler.

Einige erstellen auch Gutachten für Gerichtsverfahren. Die besten Kunden sind Männer, die sich vor dem Familiengericht vom Missbrauchsverdacht reinwaschen wollen. Für solche Verfahren gelte der Strafrichtern zugedachte Bannfluch des BGH nicht, glauben die Freunde der Wahrheitsmaschine. Ihr Einsatz sei sogar "in der Abwägung des Schutzes der Persönlichkeitsrechte der Beteiligten vielmehr geboten", behauptete der Familienrechtler Professor Siegfried Willutzki bei einer Expertentagung. Ingeborg Rakete-Dombeck, die Vorsitzende des Familienrechtsausschusses der Bundesrechtsanwaltskammer, widersprach. Da müsse sich wohl eher die teure Ausbildung, die einige Neulinge sogar bei eingeflogenen US-Experten absolvierten, "durch reale Anwendung des Polygrafen amortisieren".

Auftrieb gewinnt die Polygrafentechnik durch die aktuelle Terroristenjagd. Im Fachblatt Nature hat jetzt das polygrafische Institut des US-Verteidigungsministeriums seine neue Entlarvungsmaschine vorgestellt.

Verräterisch soll diesmal die Wärmestrahlung des Gesichtes sein. Probanden wurden auf Diebestour geschickt

20 Dollar sollten sie einer Testperson entwenden und hinterher ihre Unschuld beteuern. Bei neun von zehn lügenden Tätern erwärmte sich die Augenpartie. Eine Infrarotkamera hielt das Hitzemuster fest. Weil die Methode berührungslos und auf Distanz funktioniert, hoffen die Militärs, sie auf Flughäfen einsetzen zu können. Wer bei der Frage "Haben Sie Ihr Gepäck selbst gepackt?" Hitzewallungen bekommt, fliegt auf.