Die Umstellung auf den Euro verläuft reibungslos. Wirklich? Nein, Sprachschützer wittern Überfremdungsgefahr durch die neue kleine Münze. So fordert der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache, wir sollten den Cent wie "Zent" aussprechen und nicht, wie im Englischen und Französischen, mit "Ss" am Anfang. Schließlich wurzele der Begriff im deutschen "Zehnten". Hier irrt der Mann zwar gewaltig, und es wäre ein Leichtes, sich über die Pedanterie lustig zu machen, mit der sich unsere Sprachregulierer in den aussichtslosen linguistischen Kampf gegen die nationale Seinsvergessenheit stürzen. Doch genauer betrachtet birgt die Frage tatsächlich Zündstoff.

Verweist sie doch auf schwärende regionale Konflikte im Inneren unseres um seine Leitkultur ringenden Vaterlands.

Während der schwerzüngige Bayer jederzeit für den "Tsent" (wie "Zenzi") optieren wird, kann beim mit s- und z-Lauten ohnehin auf Kriegsfuß stehenden Berliner "zweiundzwanzig Cent" immer nur klingen wie ein undefinierbares "szweiundszwansig Szent". Soll man nun überdies in der Mehrzahl "Cent", "Cents" oder "Cente" sagen? Solche Fragen sind dringend verbindlich zu klären, und zwar noch, bevor unter dem geplanten neuen Zuwanderungsgesetz die Integrationskurse für Ausländer beginnen. Sonst glauben die am Ende noch, als Neudeutsche gelte für sie die gleiche Regel wie für all die unintegrierbaren Alteingesessenen: im Zweifelsfalle reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. R.H.