Jesus Christus ist tot, Karl Marx ist tot. Und auch Italien fühlt sich nicht so gut. Sogar Premier Silvio Berlusconi, der sich als Staatsmann von Weltrang versteht, muss es gemerkt haben: Die vergangene Woche war keine gute für sein Land und seine Regierung.

Die Ankunft des Euro hat in Italien eine mittelschwere Katastrophe ausgelöst.

Es fehlten Banknoten, sogar in den Automaten, von denen viele nicht funktionierten. Es fehlte Kleingeld. Bis zum Wochenende wurden nur 45 Prozent der Geschäfte in der neuen Währung getätigt, im europäischen Durchschnitt waren es 66 Prozent. Erst jetzt haben die italienischen Ladenbesitzer und Verbraucher angefangen, die Starter-Kits abzuholen, die schon seit dem 11.

Dezember erhältlich sind. Vergangenen Montag hat sich die Situation dann noch einmal dramatisch verschlimmert: Die Bankangestellten streikten für einen Tag gegen den Umtauschstress. Neun von zehn Banken sahen sich außerstande, Transaktionen in Euro auszuführen. Um ein wenig Bargeld zu bekommen, musste man drei Stunden bei der Post Schlange stehen. Vor allem die Rentner belagerten die Schalter, weil es ihnen nirgendwo sonst gelang, ihre monatlichen Schecks in Euro einzulösen.

Gleichzeitig tauchte mit dem Euro die Inflation wieder auf. Symbol und Methapher des teurer gewordenen Lebens ist unser Nationalgetränk: Der Preis für eine Tasse Espresso kletterte von 1200 Lire auf 0,80 Euro. Eine Verteuerung von südamerikanischer Dimension: 29,1 Prozent! Zum Glück lebe ich in Deutschland.

Man wolle nur runde Zahlen schaffen, hatte es geheißen. Stattdessen wurde alles teurer: Versicherungspolicen um zehn Prozent, Gemüse, Fleisch und Mineralwasser um noch mehr. Sogar das Bier verteuerte sich schlagartig.

Die Verbraucherschützer haben zu Recht eine neue Trophäe ausgeschrieben: den Goldenen Euro-Pinocchio. Empfänger ist der Minister Antonio Marzano, der "normale Preiserhöhungen" versprochen hatte. Bekanntlich wächst die Nase der Marionette Pinocchio mit jeder Lüge. Auch die beiden Sprecher des Einzelhandels haben einen Preis bekommen: den Goldenen Euro-Kater und den Goldenen Euro-Fuchs. Sie hatten geschworen, dass es nicht einmal eine Aufrundung der Preise geben würde. Der Kater und der Fuchs sind die großen Betrüger im Märchen von Pinocchio.