1975 in Brügge geboren, hatte Pieters nach der Akademie bei Martin Margiela und Christian Lacroix gearbeitet. In Paris zeigte er nur ein Kostüm, davon aber zahlreiche Variationen: 20 handgearbeitete Jacken und Petticoats, die sich nur in Farben, Stoffen und kleinen Veränderungen im Schnitt unterschieden.

Die Globalisierung von Modedesign und das Verschwinden von Einzigartigkeit hinter Markenkonzernen haben dazu geführt, dass die Ideen der klassischen Couturiers auf die Prêt-à-porter-Mode wieder mehr Einfluss gewonnen haben. Einzelstücke und opulente Handarbeiten sind wieder chic geworden, auch als so genanntes Massen- produkt.

Bruno Pieters, der seine Kollektion als eine sich über drei Saisons hinziehende Studie versteht, in der er sich auf die Perfektion von drei Kleiderformen konzentriert, präsentiert seine handgearbeiteten Einzelstücke ebenfalls als eine Serie. Aus 20 Einzelstücken wird eine Uniform. Ob oder wie sich diese "Couture-à-porter" irgendwann durchsetzen wird, das bleibt immer noch Didier Grumbach überlassen.

Suzy Menkes jedenfalls schrieb in der Herald Tribune von einem "intriguing new talent" und von einer Form von Couture, die als Labor funktioniert, in dem neue Ideen enstehen, die von konzeptionellen Studien bis zu hochwertiger Prêt-à-porter reichen.

Wenn jetzt vom 19. bis 23. Januar in Paris die großen Couturiers ihre aufwändigsten Entwürfe für den Sommer zeigen und Yves Saint Laurent im Centre Georges Pompidou den Laufsteg für immer verlässt, bekommt man außerhalb des offiziellen Programms das zweite Werkstück einer Kollektion zu sehen: das Cocktailkleid von Bruno Pieters.

Wie lange muss man sich als Nachwuchsdesigner außerhalb des Defilee-Kalenders beweisen, bis man von der Chambre Syndicale in Paris eine offizielle Show bekommt?

Nach der ersten Kollektion eine offizielle Schau zu bekommen ist fast unmöglich. Ich kann mich nicht erinnern, dass das schon einmal vorgekommen ist. Man muss der Chambre Syndicale in der Regel mindestens drei bis vier Kollektionen außerhalb des Schauenkalenders zeigen, bis sie einen aufnehmen - oder nicht.