Stimmt’s?

Krank durch Milch

Stimmt es, dass Asiaten keine Kuhmilch vertragen und sich auch aus diesem Grund vor abendländischem Käse ekeln? Sylvia Magotsch, Nienbüttel

Der Ekel ist sicherlich auch kulturell bedingt - dass verschimmelte Milch eine Delikatesse sein kann, ist ja nicht für alle Menschen selbstverständlich.

Zur Unverträglichkeit: 75 Prozent der erwachsenen Menschen auf der Erde können Milchzucker (Laktose) nicht richtig verarbeiten, weil sie nach der Kindheit das entsprechende Enzym (Laktase) verloren haben. Dieses spaltet im Dünndarm den Doppelzucker aus der Milch in einfache Zucker. Fehlt es, gelangt unverdaute Laktose in den Enddarm und wird dort ein gefundenes Fressen für Bakterien - Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall sind die Folge. Entwicklungsgeschichtlich gesehen, ist das nicht weiter schlimm - die Frühmenschen verzehrten nach der Kindheit keine Milchprodukte mehr, das Enzym war also überflüssig.

Erst mit der Einführung der Landwirtschaft vor etwa 12 000 Jahren begannen auch Erwachsene regelmäßig Milch zu trinken. Dass sich die genetisch bedingte Laktase-Persistenz, also die Fähigkeit, auch im Erwachsenenalter Milch zu verdauen, vor allem in Nordeuropa durchsetzte, liegt wohl daran, dass wir besonders auf Milch als Kalziumlieferant angewiesen sind. Während in unseren Breiten nur etwa 10 Prozent der Menschen Laktose nicht vertragen, sind es im Süden Europas 60 Prozent, in Schwarzafrika 95 Prozent und in Ländern wie Thailand fast 100 Prozent.

Die genetische Ursache der Laktose-Unverträglichkeit ist soeben weitgehend geklärt worden: In dieser Woche berichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature Genetics von zwei dafür verantwortlichen genetischen Varianten, die sie in einer Reihenuntersuchung von finnischen Familien ausgemacht haben. Christoph Drösser

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Audio: www.zeit.de/audio

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    • Von Christoph Drösser
    • Datum 31.7.2007 - 11:59 Uhr
    • Quelle (c) DIE ZEIT 4/2002
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