Krise bei Opel. Das Rüsselsheimer Unternehmen meldet tiefrote Zahlen. Der Vorstand will den Abbau Tausender Jobs beschleunigen, die Löhne der verbleibenden Mitarbeiter drastisch kürzen und vielen Händlern kündigen. Die Geduld des Mutterkonzerns General Motors (GM), so ist zu hören, sei begrenzt.

Trennung nicht ausgeschlossen.

Droht der Marke mit dem Blitz also womöglich das Aus? Gemach. Das vom Vorstand lancierte Horrorszenario hat nicht zuletzt einen Zweck: die Betriebsräte weich klopfen. Die gehen freilich erst einmal auf die Barrikaden - und das ist verständlich. Wer derart rigorose Forderungen zuerst aus der Zeitung erfährt, muss sich düpiert fühlen. Kein Zweifel, Opel hat zu große Produktionskapazitäten und damit zu viel Personal. Andere deutsche Autohersteller bauen hierzulande neue Fabriken, das zeigt, dass nicht etwa hohe Löhne die Ursache der Krise sind. Opel hat seit Mitte der neunziger Jahre im Verdrängungswettbewerb stetig Marktanteile verloren. Das ist in erster Linie auf die verfehlte Strategie der Konzernmutter und das Versagen ihrer nach Europa entsandten Statthalter zurückzuführen. Während die Konkurrenz mit neuen Modellen punktete, dachten die GM-Konzernstrategen hier sparen zu können. Vergeblich hatten die Opel-Betriebsräte gewarnt.

Im Frühjahr schienen die GM-Oberen die Lehre endlich begriffen zu haben. Auch die Amerikaner hatten bemerkt, dass deutsche Fabrikate wie Audi, BMW, Mercedes, Porsche oder VW weltweit reüssieren. Der Erfolgsfaktor: ihr attraktives Image, das auf einer langfristig angelegten Marken- und Modellstrategie basiert. Die Gewinner bieten nicht nur Qualität und Technik, sondern wecken auch Emotionen beim Kunden. Also sollte es Carl-Peter Forster bei Opel richten. Schließlich war der zuvor im Vorstand von BMW. Alle setzten große Hoffungen auf den neuen Chef. Und der legte vergangenen Oktober ein Sanierungsprogramm namens Olympia vor.

Doch offenbar hat Forster im ersten Anlauf nicht richtig hingeschaut. Seine Nachbesserungsforderungen kommen zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. In wenigen Wochen rollt der neue Opel Vectra zu den Händlern. Mit dem Mittelklassemodell wollen die Rüsselsheimer endgültig beweisen, dass ihre Autos längst wieder besser sind als ihr Ruf.

Forster muss sich jetzt möglichst rasch mit den Betriebsräten einigen. Dass die Trendwende zu schaffen ist, macht Ford in Europa gerade vor. Nachdem kräftig Produktionskapazitäten abgebaut wurden, holen die Kölner mit einem runderneuerten Modellprogramm wieder auf. Das Potenzial hat die Marke Opel genauso. Um das über Jahre ramponierte Image nachhaltig aufzupolieren, muss Forster jetzt dafür sorgen, dass der Kunde möglichst rasch wieder faszinierende Modelle bei Opel findet - ohne andauerndes Krisengeschrei als Begleitmusik. Nur dann hat der neue Chef seine Vorschusslorbeeren verdient.