Von Tony Blairs einst vielversprechendem Konzept New Labour bleibt immer weniger übrig. Als Letzter wich jetzt Transportminister Stephen Byers vom Dritten Weg ab. Die 1996 von den Konservativen privatisierte Eisenbahn wird de facto wieder verstaatlicht.

Bei der Privatisierung übernahm die Aktiengesellschaft Railtrack das Schienennetz und die Signalanlagen. Die Züge wurden von privaten Firmen betrieben. Doch das Vertrauen einer viertel Million Kleinanleger in Railtrack wurde bald bestraft. Über Jahrzehnte waren Investitionen in die Infrastruktur der Bahn ausgeblieben, und Railtrack sparte bei der Sicherheit. Folge: eine Reihe schwerer Zugunglücke. Vergangenen November lehnte Byers eine erneute Finanzspritze ab und schickte Railtrack in den Konkurs. Ein Angebot der deutschen WestLB, Railtrack zu übernehmen, lehnte er ab.

Das Nachfolgeunternehmen soll nicht gewinnorientiert wirtschaften, stattdessen "der Passagier an erster Stelle stehen". Und die Finanzierung?

Die staatliche Aufsichtsbehörde Strategic Rail Authority fordert rund 70 Milliarden Pfund (114 Milliarden Euro) zur Modernisierung der Bahn. Die Hälfte davon soll aus dem Staatssäckel kommen, der Rest vom Finanzmarkt. Doch das Vertrauen der City in die Eisenbahn ist weitgehend aufgezehrt.