Eigentlich ein ganz gewöhnlicher Vertrag: Beginn des Arbeitsverhältnisses, Urlaub, Nebenbeschäftigungen, Kündigung - alles ordentlich geregelt. Nur eines irritiert: Neben der Unterschrift der Geschäftsführung und des Mitarbeiters ist noch Platz für eine dritte Signatur: "Unterschrift Eltern" steht da.

Der Grund: Nur wenige Mitarbeiter sind volljährig. Es ist ein Arbeitsvertrag des Unternehmens VIP2-quadratour - einer Schülerfirma am Romain-Rolland-Gymnasium in Dresden. VIP2, ausgeschrieben "Viele Ideen publizieren und produzieren", organisiert Klassenfahrten, gibt eine Schülerzeitung heraus, gestaltet Websites für Firmen und Behörden - und schreibt im Geschäftsjahr 2000/2001 schwarze Zahlen. Das Schülerunternehmen ist eines von rund 100, die die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) unterstützt.

Der Firmenraum von VIP2 ist vielleicht zwölf Quadratmeter groß, zwei hohe Fenster gehen auf den Schulhof, ein Aktenschrank, ein Schreibtisch mit zwei Computern, Telefon. In der Mitte des Raumes ein L-förmiger Konferenztisch.

Hier treffen sich freitagnachmittags die Chefs von der Schulbank mit ihren Mitarbeitern. Hier fallen auch Personalentscheidungen, ganz basisdemokratisch, per Handzeichen stimmen die 15 Firmenmitglieder ab: Wer wird Abteilungs- oder Personalleiter, wer neuer Geschäftsführer? Stefanie Valta war lange in der "Chefetage", jetzt will sie kürzer treten, weil das Abitur näher rückt. Sie ist gerade 18 geworden, geht in die 12. Klasse.

"Klein angefangen" habe sie, als sie 1998/99 bei VIP2 eingestiegen ist. Dann hat sie immer mehr Aufgaben und Verantwortung übernommen, wurde schließlich Geschäftsführerin.

Gearbeitet wird zwischen zwei Schulstunden, nachmittags, wenn nötig auch am Wochenende. Dann schreiben die Jungunternehmer Texte für die Schülerzeitung, entwerfen Layouts, akquirieren Anzeigen. Organisieren Schülerreisen, nach Lyon, Paris oder Prag. Vergleichen Angebote und besorgen die Bahn- und Flugtickets. "Das haben wir als Serviceleistung mit drin, ohne Provision, wir wollen die Kunden schließlich binden", sagt Stefanie Valta ganz routiniert.

Heike Kahl ist stolz auf all ihre Jungunternehmer. Die Geschäftsführerin der DKJS sitzt auf dem Sofa ihres Büros in Berlin-Mitte und schwärmt und schimpft. Schwärmt von ihren Schülerfirmen, die Reisebüros, Cafés und Bäckereien betreiben, Kunst vermarkten oder Web-Seiten erstellen. Schimpft über die Schulen, die ihre Schüler nicht aufs Leben vorbereiten. "Immer ist die Rede von den so genannten Schlüsselqualifikationen wie Team- und Sozialfähigkeit. Die werden in der Schule aber nicht vermittelt", kritisiert sie. Die Schülerfirmen heben die Trennung auf zwischen Theorie und Praxis, Schule und Beruf.