Die holde Zeit des Wünschens ist vorüber. Wenn sich an diesem Freitag die Schlossplatzkommission zu ihrer letzten Sitzung trifft, wird sie von einer einjährigen Traumreise zurückkehren und unsanft in der Wirklichkeit landen.

Denn nun geht es ums Geld. Mindestens eine Milliarde Euro dürfte das bunte Vielerlei kosten, das sich die Kommission für die Weiten des Schlossplatzes ausgedacht hat: ein Haus, so groß wie die einstige Hohenzollernresidenz soll es werden, in dem die Stadtbibliothek unterkommt, das Völkerkundemuseum, die Sammlung der Humboldt-Universität, ein paar Restaurants und Lädchen.

Zwar ist noch fraglich, ob sich die 120 000 Quadratmeter, die man für dieses Palais der Bilder und Bücher brauchte, überhaupt auf dem Schlossplatz unterbringen ließen, verfügte die alte Residenz doch nur über die Hälfte an Grundfläche. Auch darf man bezweifeln, dass sich die abends verödete Museumsinsel durch noch mehr Ausstellungshallen wirklich beleben wird.

Niemand indes wird der Kommission vorwerfen, sie hätte sich nur von Repräsentationsgelüsten leiten lassen: Bei allen Debatten stand die Stadt doch immer im Mittelpunkt - die Stadt aber dankt es nicht.

Natürlich müsse sich auf dem Schlossplatz etwas tun, heißt es im neuen Berliner Senat, doch da man nicht einmal weiß, woher die 50 Millionen Euro für die Sanierung der Lindenoper kommen sollen, mag sich die Regierung nicht noch ein weiteres Großprojekt aufhalsen. Zwar rechnet die Kommission vor, dass die Stadt keineswegs alles allein aufbringen müsse: Liegenschaften könnten veräußert, die Banken zu günstigen Zinsen bewogen und Spenden eingetrieben werden, sodass am Ende wohl 250 Millionen Euro zusammenkämen.

Doch Peter Strieder, Chef der Landes-SPD und der Stadtentwicklungsbehörde, wird dies wohl eher achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Das Schlossprojekt ist ihm zutiefst unsympathisch, vor allem die Kommissionsempfehlung, die barocken Fassaden und die historistische Kuppel nachzubauen, ärgert ihn mächtig. Und auch sein Kollege, der neue Kultursenator Thomas Flierl, wendet sich entschieden gegen die Rekonstruktion, der Verlust des Stadtschlosses sei nicht zu ersetzen.

Doch wenn Berlin das Neoschloss nicht will, wer soll es bauen? Sich aus der Verantwortung stehlend, zeigen Strieder und Flierl auf den Bund - soll der doch machen. Dort allerdings, wen wundert's, will man von solchen Forderungen nichts wissen und verweist darauf, dass man bereits die Restaurierung der Museumsinsel bezahlen müsse, immerhin eine Milliarde Euro. Eine weitere Milliarde sei nicht aufzubringen, erst recht nicht für den Schlossplatz, der doch vor allem städtisches Terrain sei. Es stimmt ja auch: Die Stadtreparatur ist Sache der Stadt. Weder in München, Düsseldorf oder Dresden würde es jemand verstehen, wenn in Berlin die Zentralbücherei (sei sie auch noch so qualitätsvoll) oder neue Ausstellungshallen durch den Bund finanziert würden.