Banken und Investmenthäuser haben ein großes Problem: Im einst lukrativen Geschäft mit Aktien-Neuemissionen ist kaum noch etwas zu verdienen, seit sich kein Unternehmen mehr an die Börse wagt. Noch ärger trifft es die Unternehmen selbst, die auf frisches Geld angewiesen sind. Um dennoch an Kapital zu kommen, wird nun eine vergessen geglaubte Finanzierungsform wiederbelebt - die Wandelanleihe.

Kaum bemerkt von Privatinvestoren, entwickelt sich dieser Zwitter aus Aktie und Rentenpapier zur beliebten Kapitalquelle. Jüngstes Beispiel: der Halbleiterhersteller Infineon, der sich vorige Woche per Wandelanleihe eine Milliarde Euro von den Anlegern holte.

Das weltweite Neuemissionsvolumen betrug im vergangenen Jahr rund 145 Milliarden US-Dollar, das sind 60 Prozent mehr als im Jahr zuvor. "2001 war das Jahr der Wandelanleihe", sagt Fred Fiddle, Co-Chef im Bereich US-Beteiligungskapital bei Merrill Lynch. Das New Yorker Investmenthaus hat in diesem Zeitraum Wandelanleihen im Volumen von rund 26 Milliarden US-Dollar als Konsortialführer auf den Markt gebracht. Die Kollegen von Morgan Stanley und Salomon Smith Barney schnappten sich mit je knapp 19 Milliarden Dollar ebenfalls große Stücke des Neuemissionskuchens.

Spekulationen im großen Stil

Wandelanleihen, auch Convertible Bonds oder schlicht "Wandler" genannt, sind Unternehmensanleihen mit niedrigem Zinskupon, die am Ende der Laufzeit zum Nennwert zurückgezahlt werden. Solche Mickerzinsen - typisch sind ein bis 2,5 Prozent - bieten bei Laufzeiten von bis zu zehn Jahren keinen Anreiz zum Kauf dieser Papiere

da muss der Emittent schon ein Bonbon drauflegen: Der Käufer eines Wandlers erhält das Recht, die Anleihe während der Laufzeit zu einem festgelegten Kurs - dem Umtauschpreis - in Aktien zu tauschen. So wird die relative Sicherheit der verzinslichen Anlage mit den Chancen des Aktieninvestments verbunden.

Steigt der Kurs der Aktie über den Umtauschpreis, kann der Besitzer der Wandelanleihe ein schönes Geschäft machen, wenn er sein Papier tauscht und die Aktien an der Börse verkauft. Auch ohne sofortigen Umtausch profitiert der Anleger vom Kursanstieg der Aktie: Ist der Umtauschpreis überschritten, zieht wegen des Wandlungsrechts der Kurs der Wandelanleihe fast eins zu eins nach.