Deutsche Fußballfans, wehrt euch gegen die immer mehr werdenden ausländischen Spieler in Deutschland! Wir wollen keine Russen, Neger, Türken, Jugos, Polen usw." Ein Aufkleber mit diesem Text anonymer Herkunft wurde bei einem Länderspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft unter der Hand verteilt. "Wenn beim Spiel Bayern gegen Cottbus nur zwei Germanen in den Anfangsformationen stehen, kann irgendetwas nicht stimmen." Das sagte Gerhard Mayer-Vorfelder, der Präsident des Deutschen Fußballbundes. Vielleicht ist er selbst dieses "Irgendetwas"? "Was wird aus der Bundesliga", fragt er, "wenn die Blonden über die Alpen ziehen und stattdessen die Polen, diese Furtoks und Lesniaks, spielen?" Ist der Chef des weltgrößten Sportverbandes das heimliche Vorbild der Rassisten in den Stadien? Die Frage stellt das Bündnis aktiver Fußballfans (BAFF) in seiner kleinen Wanderausstellung tatort stadion. rassismus und diskriminierung im fuss-ball zur Diskussion.

Der DFB nahm das Tackling der linken Aktivisten überhaupt nicht sportlich.

Obwohl in der Ausstellung auch die antirassistischen Aktivitäten des Verbandes gewürdigt werden, zog er seine finanzielle Unterstützung von 5000 Euro wieder zurück - weil der Präsident "verunglimpft" würde. Nun will auch kein Verein mehr mit den vermeintlichen Schmuddelkindern spielen

doch ohne die Unterstützung der Heimmannschaften haben die aktiven Fans mit ihrer Ausstellung keine Chance.

Warum sind die Fußballfans anfällig für rassistisches Gedankengut? Ist es die ewige Kampfmetaphorik vom Weghauen und von der Brechstange, mit der man den Sieg erzwingen muss? Oder sind es die Stereotype vom genetisch begünstigten Spieltrieb der Südländer, die jeder Verlierer nördlich der Alpen, auch Mayer-Vorfelder, so gern ins Feld führt?

In Wahrheit zeigt sich im Fallrückzieher des DFB seine Weltfremdheit. Fußball soll Fußball sein, sonst nichts

das Runde muss ins Eckige, egal, was jenseits des Platzes in Politik und Gesellschaft vor sich geht. So wollte sich der Verband über Jahrzehnte hinweg nicht mit seiner braunen Vergangenheit beschäftigen. Auch in der jüngsten Affäre spielte man die Unschuld vom Lande. Der drogenabhängige Fast-Bundestrainer Christoph Daum wurde als armer Kranker, als Einzelfall abgetan. Niemand im Verband fragte, ob Drogensucht und Doping vielleicht ein größeres Problem in der explosionsartig expandierenden Fußballindustrie sind. Um jeden Preis möchte der DFB sein romantisches Selbstbild bewahren, den Sport als Idyll betrachten. In diesem Sinne ist er eine durch und durch konservative Institution, selbstgefällig in alten (Vor-)Urteilen verhaftet, verzweifelt Werte beschwörend, an deren Zerfall er selber lange genug gearbeitet hat.