Stellen Sie sich einen Mann vor, der immerzu von sich behaupten würde, er sei der Beste, und zwar in allem. Dieser Angeber würde Ihnen mit Sicherheit auf die Nerven gehen.

Stellen Sie sich aber einen Mann vor, der diese unglaublichen Behauptungen mit dem Hinweis auf seinen kometenhaften Aufstieg belegen kann: Kleinbürgerspross, Conférencier, Bauherr, Medienunternehmer, Krösus, schließlich Ministerpräsident und Außenminister in Personalunion. Sie würden es allmählich mit der Angst zu tun bekommen (die Bewunderung, die Sie gegenüber so einem Menschen empfinden könnten, lassen wir einmal beiseite) es würde Sie also eine Ahnung beschleichen, dass hier etwas Unheimliches vor sich geht, etwas, das nicht recht zu fassen ist und doch alle betrifft.

Dieses Gefühl haben viele Italiener gegenüber Silvio Berlusconi - seit einigen Tagen macht es sich auch in Europa breit. Genauer: seit dem Rücktritt des europafreundlichen Außenministers Renato Ruggiero.

Valéry Giscard d'Estaing, Vorsitzender des europäischen Verfassungskonvents, eilte nach Ruggieros Rücktritt sofort nach Rom, um sich der europapolitischen Zuverlässigkeit des neuen Außenministers Berlusconi zu versichern. "Es gibt zwischen uns eine totale Übereinstimmung!", sagte Berlusconi nach dem Treffen. Offiziell beruhigt, fuhr Giscard wieder nach Paris zurück.

Seit Montag dieser Woche ist es mit der "totalen Übereinstimmung" wieder vorbei. Berlusconi hielt eine Rede im Parlament zur Außenpolitik. In seiner bekannt euphorischen Art bezeichnete er Europa als "Ambition, Hoffnung, Notwendigkeit, Ideal und Wille". Aber dann fügte er hinzu: "Wir werden keinerlei, wirklich keinerlei Einschränkung unserer Souveränität hinnehmen" - genau darin aber besteht das Wesen der EU der Euro, als vorläufiger Höhepunkt der Integration, ist dafür das bisher bedeutendste Beispiel. "Der Euro", sagte Berlusconi, "ist heute eine Tatsache, die von unseren Bürgern angenommen wurde!" Das klang so, als wollte er sagen, das ist Geschichte, das müssen wir hinnehmen, jetzt aber reden wir von der Zukunft - und die wird ein neues Italien sehen, einen unbequemen, wenn nicht unmöglichen Partner für die EU.

Es ist Berlusconis erklärte Strategie, seinem Land neue Geltung zu verschaffen. Das ist er sich und seinen Wählern schuldig, schließlich hatte er sich im Wahlkampf mit so wirkungsmächtigen Gestalten verglichen wie Napoleon und Kaiser Justinian. Das Versprechen von Größe will er jetzt einlösen, er will es sich und seinem Volk beweisen. Was das bedeuten kann, haben die EU-Staatschefs auf ihrem letzten Gipfel in Laeken erlebt.

Berlusconi bockte, weil er den Sitz der Nahrungsmittelbehörde in Parma haben wollte und nicht in Helsinki, wie es die EU bereits in einer Vorabsprache beschlossen hatte. Gegen Helsinki wandte Berlusconi ein: "Die Finnen wissen nicht einmal, was Parmaschinken ist!" Der echte Napoleon, möchte man sagen, erschütterte Europa mit Krieg, sein selbst ernannter Nachfolger tut es mit - Parmaschinken.