Nein, wirklich weltumspannend ist das Internet noch lange nicht. Auch wenn es über 500 Millionen Menschen aus praktisch jedem Land der Erde nutzen, sind wir von der totalen Vernetzung weit entfernt. Und selbst wenn eines Tages jeder Erdenbürger online wäre - das Netz bliebe immer noch auf unseren Planeten begrenzt. Zum Glück haben wir Visionäre, die weiter denken. "Wie wäre es, wenn wir das Internet ins Weltall ausdehnen würden?", fragt Vinton Cerf. "Warum sollten nicht auch der Mond, der Mars oder die Venus vernetzt werden können?" Diese Vision treibt den Computerexperten schon einige Jahre um. Doch nun rückt sie in greifbare Nähe: Bei ihrem nächsten Mars-Programm 2003 will die Nasa die ersten Internet-Knoten im Weltall stationieren.

Für die amerikanische Raumfahrtbehörde soll Vinton Cerf mithilfe einer Forschergruppe die grundlegenden Standards des Interplanetary Net (IPN) definieren. Bisher kommuniziert jeder der über 100 Forschungssatelliten auf individuelle Weise mit der Erde. Das "Interplanetare Netz" soll all diese verschiedenen Protokolle durch einen einheitlichen Standard ersetzen, der nicht nur für eine reibungslose Verbindung zur Erde sorgt, sondern auch den Austausch von Daten zwischen den Satelliten ermöglicht. Genau wie das Internet wird das IPN also mit jeder neuen Weltraummission weiterwachsen. Und je mehr Stationen einbezogen sind, desto verlässlicher wird es funktionieren.

Fällt eine Verbindung aus, kann stets eine andere einspringen. "Am Ende dieses Jahrzehnts wird der Mars über ein Netz aus mindestens sieben Satelliten verfügen", prophezeit Cerf, der dafür bereits einen Domain-Namen im Internet reserviert hat: mars.sol.int.

Auch wenn das Interplanetare Netz Teil des Internet werden soll, wird es sich technisch doch stark von der irdischen Art des Datenaustauschs unterscheiden.

"Die Komplexität unserer Aufgabe ist astronomisch", sagt Cerf mit leichter Selbstironie. Als einer der Erfinder des TCP/IP genannten Internet-Datenprotokolls weiß Cerf, wovon er spricht. Da ist zunächst die lange Zeit, die bei der interplanetaren Kommunikation verstreicht, bis ein Datenpaket den weiten Weg zwischen Sender und Empfänger zurückgelegt hat.

Schon zum Mars dauert die Datenreise bis zu zwanzig Minuten, zum Neptun gar über fünf Stunden. Da sich die Himmelskörper dabei auch noch drehen und auf ihrer Bahn weiterbewegen, müssen die Antennen ständig nachjustiert und Verzerrungen ausgeglichen werden. Ein kontinuierliches Hin und Her von Meldung und Rückmeldung, wie es im Internet üblich ist, kann unter diesen Bedingungen nicht funktionieren.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass Störungen nicht von Menschenhand behoben werden können. Das IPN-System muss sich selbstständig installieren und warten können. Außerdem steht nur wenig Energie aus Sonnenkollektoren zur Verfügung, die Stärke von Funksignalen jedoch sinkt mit dem Quadrat ihrer Entfernung. "Und Entfernung gibt es da draußen verdammt viel", lautet einer der Merksätze im Handbuch der Entwickler. Signale vom Pluto sind rund zehn Milliarden mal so schwach wie die von einem Satelliten im Erdorbit.