Man lässt sich nur ungern mit Bonbons bewerfen, wenn man kein Karnevalliebhaber ist. Doch diesem Hagel bunter Premiummischung ist schwer zu widerstehen: Oh! What A Night heißt die Wundertüte, aus der Kid Creole in Manier des reichen Onkels aus Amerika im Hamburger Operettenhaus nicht tief, aber so weit schöpft, dass es für einen Abend leicht löslicher Lustbarkeit reicht. Kid Creole, der in Wahrheit August Darnell heißt und mit diesem Musical aus England kommt, hat sich durch The Coconuts einen Namen gemacht und präsentiert nun als DJ die Frühphase seiner besten Jahre: die Siebziger von ihrer schillernden Seite. Und wie bei jeder Premiummischung und jeder Wundertüte besteht auch hier der Inhalt, im Einzelnen besehen, aus schlichten Stücken und überflüssigem Schnickschnack: ein paar Disco-Knüller wie Y.M.C.A., Celebration und Car Wash, darunter gemixt einige Elemente verschiedener Konsistenz (ein bissfester Betrüger, ein weicher Trinker) und Note (die süße Verlobte, der smarte Barkeeper), das Ganze abwechselnd getaucht in ein bisschen Tragik, Liebe und Intrige. Aber köstlich sind die Verpackungen: wie lila Stanniolpapier schimmernde Nylonschlaghosen, goldene Tigereinteiler, rosa Flatterteilchen, lakritzglänzende Kunstlederkostüme, marzipanfarbene Wildlederstiefel. In kunstvollen Verwirbelungen tanzen, nein, fliegen sie einzeln, in Paaren oder alle zugleich über die Bühne. Dank dieser Überflieger ist Kid Creole am Ende Knüllerkönig. Die Karnevalzeit hat begonnen, ausgerechnet in Hamburg wird sich bis Ende April das Publikum nicht retten können.