Kultur soll zwar nichts kosten, aber Kapital zu schlagen aus Kultnamen versucht man in der Politik doch immer wieder gern. Nun hofft Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit dem Film- und Opernregisseur Franco Zeffirelli vom fahlen Glanz des Konservativen zu profitieren. Ein paar Etagen tiefer musste übrigens Ole von Beust, Hamburgs neuer Bürgermeister, im Fall von Nike Wagner, die er gern als Kultursenatorin engagiert hätte, rasch lernen, dass die Dame doch eher nicht fürs Feuer war und sich nur für den Grünen Hügel mal wieder kurz ins Gespräch gebracht hatte. Der 78-jährige Zeffirelli hat gerade das unglückliche Leben von Maria Callas verfilmt und träumt wohl weiter von einer Filmbiografie über Mutter Teresa. Zwischendurch darf er nun als kulturpolitischer "Spezialberater" der italienischen Regierung ein paar Fäden ziehen in eigener Sache. Die Cinecittà-Studios in Rom möchte er wieder mehr mit Kinoproduktionen füllen, und Opernbühnen sollten künftig stärker staatlich subventioniert werden. Zeffirelli, als Regisseur dem überreichen Ausstattungskino und -theater verpflichtet, scheint als Kulturpolitiker ähnlich operieren zu wollen. Das ruft ganz nebenbei seinen Film Tee mit Mussolini von 1999 in Erinnerung. Darin ergötzen sich einige kunstbeflissene englische Ladys im Florenz der Dreißiger an den Schönheiten der italienischen Kultur - und unter all dem Glanz gerät fast in Vergessenheit, dass sich auf den Straßen ein ganz anderer Sturm vorbereitet.

Als Fachmann für Blendwerk ist Zeffirelli möglicherweise erfolgreicher als einer seiner kulturpolitischen Vorgänger: Als 1976 die Kommunisten in Rom den berühmten Kunsthistoriker Carlo Giulio Argan zum Bürgermeister machten, sollte der Maßnahmen gegen die Vernichtung der Denkmäler durch Autoabgase ergreifen. Er scheiterte kläglich.