Kirchen, Christen, Juden in Nordelbien 1933 bis 1945 heißt ein wenig arg harmlos eine Ausstellung, die derzeit in der Hauptkirche Sankt Petri an Hamburgs Mönckebergstraße gezeigt wird. Denn sie birgt durchaus Brisantes.

Zum ersten Mal stellt sich eine Landeskirche öffentlich einem lange tabuisierten Thema: der Beteiligung der Kirchen an der Ausgrenzung und Verfolgung der Juden in der NS-Zeit. Wie Pastoren schon in der Weimarer Republik sich der NSDAP anschlossen und von der Kanzel Judenhass predigten, wie sie nach 1933 Christen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ausschlossen und zu Deportation und Vernichtung schwiegen, das wird hier anhand einzelner Lebensläufe verdeutlicht. Einen Extremfall stellt zweifellos der Segeberger Probst Ernst Szymanowski dar, der seinen Talar mit der SS-Uniform vertauschte und als Leiter eines Einsatzkommandos in der Ukraine für die Ermordung Tausender Juden verantwortlich war. Neues Licht fällt auf die Rolle des Landesbischofs Franz Tügel, auch er bekennender Nationalsozialist und Antisemit, der sich dennoch in Einzelfällen für Menschen einsetzte, die von den Nürnberger Gesetzen betroffen waren - eine gespaltene Persönlichkeit.

Erschreckend zu erfahren, dass auch Mitglieder der Bekennenden Kirche die staatliche Judenverfolgung rechtfertigten. Umso leuchtender hebt sich das Beispiel der Lehrerin und wahren Christin, Elisabeth Flügge, ab, die jüdischen Schülerinnen der Privatschule Hamburg-Harvestehude half, wo sie nur konnte. (Bis zum 4. Februar, anschließend an weiteren Orten Norddeutschlands

Info: 0431-64 98 60).