In eine bessere Zeit konnte der Abschlusskongress des Forums Bildung nicht fallen: Ob in den Feuilletons, in Lehrerzimmern oder in der U-Bahn - fast überall herrscht Einigkeit, dass sich im Schulsystem Grundlegendes ändern muss. Doch wie nutzen unsere Politiker den Aufbruchwillen? Sie zerreden das Reizthema. Ein typisches Beispiel hierfür lieferte die Schlussveranstaltung des Forums Bildung vergangene Woche in Berlin.

Bundespräsident Johannes Rau schürte vor allem die bekannten Sorgen, Kultusminister bügelten in bewährter Manier Ideen ab: Machen wir alles schon, haben wir längst empfohlen.

Das Forum Bildung wurde von der rotgrünen Bundesregierung gegründet um neue Konzepte zu formulieren und zu propagieren. Vorsitzende war Bundesministerin Edelgard Bulmahn, ihr Stellvertreter der bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair. Es diskutierten die üblichen Ministerialreferenten, Verbandssprecher, Wissenschaftler und Leiter von Volkshochschulen. Manche der Debattenveteranen bezeichneten sich selbst auch schon mal als Mitglieder in einem "Wanderzirkus". In zweijähriger Arbeit hat das Forum die einschlägigen Argumente in dicken Bänden gesammelt und zu Empfehlungen kondensiert, die allgemeine Zustimmung finden: lebensbegleitendes Lernen fördern

die Wichtigkeit der Lehrer beachten. Aber auch dies: In der Bildung komme es vor allem auf den Anfang an, also auf das weite vorschulische Feld und die vernachlässigte Grundschule.

Darin steckt noch am meisten Brisanz. Dieses Thema griff der Bundespräsident denn auch heraus. Doch seine Rede war am stärksten, wenn er Statistiken zitierte. Etwa, dass andere OECD-Länder bis zu 90 Prozent mehr Geld für die Grundschule aufbringen als wir. Ansonsten: kein Ruck, kein Aufbruch.

Die offenkundigen Löcher im "Haus des Lernens" wurden mit Floskeln gestopft, dass der Saal nur so gähnte. Deutsche Schulen brauchten eine "Kultur der Zusammenarbeit". Die des Forums dürfte jetzt beendet sein. In Berlin zelebrierten die Bildungsprediger ihr eigenes Requiem, indem sie bekräftigten, es sei ja schon alles gesagt, man müsse nun endlich handeln.

Doch statt die Ärmel hochzukrempeln, vermittelte das Forum die Stimmung eines depressiven Zirkels.