Das gespenstische Revival der siebziger Jahre, das der Mode den gerippten Pullover, die Schlaghose und das Pucci-Muster wiederbrachte, scheint sich seinem Ende zuzuneigen. Schon zeigt der Herrenanzug die schmale Silhouette der Sechziger, und die Damen, die einerseits noch nabelfrei der klassischen Nierenentzündung von 1973 entgegen frieren, tragen andererseits wieder den Stöckelabsatz, der allen Rundheitsidealen der Siebziger Hohn spricht und mit harten Kanten einen neuen oder alten, jedenfalls zeitgemäßen Pessimismus verrät.

Der Umschwung lässt sich datieren. Vor einem Jahr tauchten die Bilder Joschka Fischers auf, wie er Polizisten verprügelte. Man hörte wieder von den revolutionären Wohngemeinschaften und sah die Plakate Che Guevaras, der kämpferisch geballten Fäuste und emporgereckten Maschinenpistolen, die auf grell polarisierten Siebdrucken nur das politische Gegenstück zu den knalligen Stoffmustern gebildet hatten. Mit einem Mal wurde der Epochenzusammenhang deutlich. Er zeigte, dass man den überbreiten Hüftgürtel (mit der Südstaaten-Schnalle) nicht aufrufen konnte, ohne auch den Molotowcocktail aufzurufen. Das Zitat der Mode verlor seine Unschuld.

Die revolutionären Gewaltfantasien rückten wieder ins Bewusstsein und damit zugleich die ungeheure Desillusionierung, die uns von den revolutionären Hoffnungen der Zeit trennt. Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staatenwelt verflogen die letzten Ideale, die noch von den politischen Utopien und Gesellschaftsvisionen der siebziger Jahre geblieben waren.

Manches spricht dafür, dass die Mode nur deswegen wiederkommen konnte, weil das Vergessen der Epoche total war

und dass sie gerade deswegen heute verschwindet, da die Erinnerung eingesetzt hat.

Denn diese Mode war nicht nur eine Mode, die zu den übrigen Tendenzen der Zeit hinzukam, sie war vielmehr ihr vollendeter Ausdruck. Das Design der Industrie und das Design der Flugblätter, das Lebensgefühl, das zur Kommune, und das Lebensgefühl, das zum orange-lila Tapetenmuster strebte, das psychedelische Erlebnis im Drogenkonsum und in der Wohnungseinrichtung hatten denselben Ursprung. Die siebziger Jahre entwarfen ein Totaldesign, wie es seit dem Jugendstil keine Epoche mehr versucht hatte. Vom Türgriff bis zur Frisur, vom Polstermöbel bis zur Körperhaltung veränderte sich alles, es war ein gewaltiges Drängen und Knospen, ein Wachsen und Schwellen.

Die Welt konnte gar nicht rund genug entworfen werden. Nicht nur dass die Schuhe alle ursprüngliche Spitzigkeit verloren, sie verbreiterten sich sogar nach vorn, wölbten sich zu gewaltigen Kuppen und stellten sich auf Sockel von Kork, die den triumphierenden Namen Plateausohle erhielten. Denn auch das gehört zum Runden, dass es den großen Maßstab braucht, während das Eckige, Spitzige, Kantige (man kannte es aus den verachteten Fünfzigern) besser im Kleinen zur Anschauung kommt. Dem Runden wohnt stets eine Neigung zum Gigantomanischen inne