Justitia ist nicht zu beneiden, denn die Deutschen kommen gern zu ihr.

Fast 1,5 Millionen Mal fällten staatliche Gerichte im Jahr 2000 ein Urteil.

Mehr als eine halbe Million weiterer Zivilverfahren blieben liegen und wurden auf das nächste Jahr verschoben. Da warten Bauherren, die ihre Architekten wegen schiefer Wände verklagen, und streitsüchtige Nachbarn, die die Höhe ihrer Gartenzäune klären lassen. Der Weg bis zur letzten Instanz ist weit: Wenn es nicht gerade um Lappalien geht, dauert es zweieinhalb Jahre, bis ein Gericht endgültig sagt, was Sache ist.

Überlastete Justiz - genau darin sieht ein junges Unternehmen aus Bayreuth seine Marktlücke. Die Tenos Private Zivilgerichte AG verspricht schneller und billiger zu entscheiden als die staatliche Justiz - und genauso wirkungsvoll.

Seit einigen Wochen macht Tenos den Amts- und Landgerichten Konkurrenz und geht auf Werbetour bei Anwälten und Wirtschaftsverbänden. Eine gesetzliche Regelung erlaubt es Streithähnen, ihren Zwist auch vor einer privaten Instanz auszufechten, dem so genannten Schiedsgericht. Dessen Entscheidungen sind den Urteilen der herkömmlichen Gerichte rechtlich gleichgestellt. Laut einem Abkommen der Vereinten Nationen von 1958 sind Entscheidungen von Schiedsgerichten in knapp 130 Staaten der Welt anerkannt und vollstreckbar.

Hinter Tenos stehen sechs Personen, unter ihnen ein ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof sowie der Juraprofessor Lutz Michalski. "Das Ganze ist ein Spin-off der Universität Bayreuth", sagt er - an seinem Lehrstuhl wurde das kommerzielle Privatgericht entwickelt. Die Liste der ständigen Schiedsrichter umfasst neben einer Reihe von Anwälten auch die Namen etlicher prominenter Rechtswissenschaftler aus Forschung und Lehre. Knapp 30 Außenstellen hat Tenos in Deutschland und in der Schweiz bei mittelgroßen Anwaltskanzleien.

Sie organisieren den Ablauf des Verfahrens, stellen Räume und vereinbaren Termine.