Mein neuer Alfa ist schlau. Er sagt mir sowohl den momentanen als auch den durchschnittlichen Spritverbrauch, und wenn die Außentemperatur unter drei Grad fällt, warnt er "piep, piep!", und eine Eisblume leuchtet unter der Tachonadel. Es hätte eine wunderbare Freundschaft werden können.

Doch eines Tages entschloss er sich, handgreiflich zu werden. Ich fuhr gerade auf der Autobahn und wollte bei Tempo 160 das spaltbreit geöffnete Fenster schließen. Ein kurzer Schnipp mit dem Finger, und schon schnurrte die Scheibe elektromotorisch nach oben - verharrte kurz und fuhr dann sacht, aber unaufhaltsam wieder nach unten. Ein Schneesturm peitschte mir ins Gesicht.

Hektisch fummelte ich am Schalter: Fenster hoch - und wieder runter. Beim dritten Versuch gelang es mir, die Scheibe millimeterweise nach oben zu morsen.

"Das ist der Sensor", sagt Herr Riedl. In der oberen Dichtung sei ein Fühler versteckt, der eingeklemmte Finger oder Kleinkinder erkennt und dem Bordcomputer befiehlt, die Fensterguillotine wieder freizugeben. Angeblich ist das europäische Vorschrift. Der Automechaniker zieht einen Filzstift aus dem Kittel, rammt ihn in den Dichtungsspalt und zieht ihn beherzt in Fahrtrichtung durch den Schlitz. Siehe da, das Fenster bleibt zu. Leider hält die Kur nur einen Tag. Am nächsten Morgen muss ich das Fenster wieder mühsam zuruckeln. Herr Riedl baut eine neue Sensordichtung ein. Freudestrahlend präsentiert er sein Werk: Fenster auf-zu-auf-zu. Toll. Am nächsten Tag haben sich wohl Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder gar beides geändert. Jedenfalls meint der Bordcomputer wieder, menschliche Körperteile retten zu müssen.

Inzwischen habe ich eine gewisse Meisterschaft im Fensterhochwuppen errungen.

Besonders der letzte Millimeter ist kritisch. Ruht der Finger nur einen Sekundenbruchteil zu lange auf der Taste, ertönt nicht das erlösende Plopp, das den windgeräuschfreien Verschluss der Scheibe anzeigt, sondern das höhnische Schlurp, mit dem sie wieder den Rückzug antritt. Es ist erstaunlich, wie oft man normalerweise das Autofenster öffnet, ohne darüber nachzudenken - beispielsweise im Parkhaus. Nach dem Ticketautomaten mit links die Scheibe hochzutickern und mit rechts durch enge Gänge zu lenken, ist gar nicht ohne.

Herr Riedl ist erkrankt - ich halte das für keinen Zufall. Nun bearbeitet Herr Bemmerl den Fall. Zunächst verspricht er, in Italien nachzuforschen.