Zuerst die gute Nachricht: Der Westen bleibt berechenbar. Zwei Männer, Edmund Stoiber und Gerhard Schröder, echte "Macher" (ZDF), "Siegertypen" (Radio Eins), machen die Wahl unter sich aus. Die Dritte, Angela Merkel, protestantisch, weiblich, ostdeutsch, hat das Feld geräumt und wird nun gelobt - für den Rückzug, versteht sich.

Und nun die schlechte Nachricht: Der Osten ist unberechenbar. Trotz elf Jahren Einheit und Solidarpakt II mit 156,5 Milliarden Euro - vor allem im unangepassten Osten wird sich wieder einmal entscheiden, wer die Bundestagswahl gewinnt.

Mentale Unterschiede

Und an wen die Sympathien im Herbst vergeben werden, ist überhaupt nicht sicher. Das wissen auch Schröder und Stoiber. Der erste Test wird die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im April sein. Deshalb überschlagen sich beide Kandidaten mit Beteuerungen, den Osten genau im Blick zu behalten. Denn nirgendwo anders schlägt das Pendel der Wählergunst so stark mal in die eine, mal in die andere Richtung aus. Das war schon 1990, 1994 und 1998 so.

Wer am 22. September erfolgreich sein will, muss vor allem zwei Wählergruppen umwerben: die Frauen, sie stellen zwei Millionen mehr Wähler als die Männer - und die Ostdeutschen.

Egal, was im Osten politisch von Angela Merkel gehalten wird: Dass sie jetzt aus dem Rennen ist, spricht aus Ost-Sicht gegen die anderen Kandidaten und den ganzen Westen gleich mit.

Der Berliner Autor Olaf Georg Klein beschreibt das Gefühl in seinem Buch Ihr könnt uns einfach nicht verstehen: Im Osten wird einer im beruflichen Umfeld zuallererst daraufhin abgeklopft, was er oder sie für ein Mensch ist. Kann man sich im Zweifel, in schwierigen Zeiten also, auf sie oder ihn verlassen?