In seinem ersten festen Job arbeitete Edmund Stoiber wie ein Planwirtschaftler. Er legte Obergrenzen für die Einwohnerzahlen von Städten fest, teilte Industrieansiedlungen bestimmten Standorten zu und entwarf auf dem Reißbrett die Strukturen für bayerische Gemeinden. 1972 war das, der heutige bayerische Ministerpräsident hatte gerade im Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen angefangen. "Damals war der Glaube an die Gestaltungskraft des Staates noch ziemlich ungebrochen", erinnerte sich Stoiber später. Gerhard Schröder hatte zu der Zeit seine ersten zwei Jahre als Vorsitzender der Jungsozialisten in Göttingen hinter sich. Die forderten damals die Verstaatlichung von Großkonzernen.

Sie sind einen langen Weg gegangen, der Bundeskanzler und sein Herausforderer. Heute sprechen sie beide häufiger vom Markt als vom Staat - und drängen machtvoll in die politische Mitte. Ähnlich wie Schröder vor vier Jahren wird Stoiber in den nächsten Monaten den Deutschen vor allem eine Botschaft zu vermitteln suchen: "Ich wäre der bessere Wirtschaftskanzler!"

Und wie bei Schröder 1998 deuten Umfragen an, dass die Wähler ihm glauben könnten: Als die Meinungsforscher von forsa kürzlich Noten für die ökonomische Kompetenz der beiden Spitzenmänner erfragten, erhielt Stoiber eine 2,6. Schröder nur eine 3,3.

Bei der persönlichen Sympathie liegt Schröder noch deutlich vor Stoiber, aber das könnte zu wenig sein, wenn sich in Deutschland nicht schnell etwas ändert. Denn an den wichtigsten Kennzahlen gemessen, ist Schröder kein Wirtschaftskanzler, sondern ein Stillstandskanzler. Das Wachstum ist niedrig, die Arbeitslosigkeit so hoch wie unter Kohl. Stoiber dagegen regiert die deutsche Musterregion, weshalb seine Strategie für den Wahlkampf schon feststeht: "Die Menschen in den anderen Bundesländern sollen davon träumen, es auch einmal so gut zu haben wie die Menschen in Bayern", sagt einer von Stoibers Wahlkampfmanagern.

Schröder gegen Stoiber, Deutschland gegen Bayern. Wenn die Wähler allein nach diesem Schema entscheiden, hat der Kanzler schon verloren. Egal, ob Wachstum, Arbeitslosigkeit, geringe Verschuldung oder Exportquote - überall liegt Bayern auf dem ersten oder zweiten Platz im Bund. Die Folge: mehr Wohlstand.

"Oberbayern ist heute die reichste Flächenregion in Europa", sagt Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner ifo Instituts.

Noch vor 50 Jahren verdiente im Voralpenland jeder Dritte seinen Lebensunterhalt mühsam auf den Feldern. Bayern war unten in Deutschland, geografisch wie ökonomisch. Heute ist Bayern oben, und das liege vor allem an der CSU und an ihm, dem Ministerpräsidenten - das wird Edmund Stoiber den Deutschen im Wahlkampf entgegenrufen.