die zeit: Die rot-grüne Koalition hat lange über Maßnahmen für den Arbeitsmarkt debattiert. Herausgekommen ist eine Vereinbarung, die der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Dieter Schulte, als "Aktionismus" bezeichnet der Wirtschaftsweise Bert Rürup spricht von einem "Micky-Maus-Konzept". Hat die Regierung Schröder gerade die letzte Chance für eine spürbare Arbeitsmarktreform in dieser Legislaturperiode verpasst?

Fritz Kuhn: Diese Frage könnte ich vielleicht verstehen, wenn wir in den vergangenen drei Jahren tatenlos herumgesessen hätten. Tatsächlich hat die Regierung eine große Reform nach der anderen angepackt: Steuerreform, Haushaltskonsolidierung, Rentenreform, Atomausstieg, Agrarwende. All das zielt auch auf eine höhere Beschäftigung ab. Hinzu kommt das Job-Aktiv-Gesetz, mit dem die Vermittlung Arbeitsloser erheblich effizienter wird. Jetzt haben wir ein Paket geschnürt, das sich vor allem bei den Langzeitarbeitslosen positiv auswirken wird. Uns reicht das noch nicht. Was wir in den vergangenen Tagen beim Kanzler nicht durchsetzen konnten, liegt deshalb auf Wiedervorlage für die Zeit nach der Wahl.

zeit: Sie haben sich bei den Verhandlungen mit der SPD für Kombilohn-Konzepte eingesetzt, die im Grunde nicht neu sind. Warum werden erst jetzt, am Ende der Legislaturperiode, auf einmal solche Vorschläge hervorgekramt ?

Kuhn: Die Ideen sind in der Tat nicht neu, und wir sind seit langem dafür, sie umzusetzen. Ein Sozialversicherungssystem, das jedem Arbeitnehmer mit einem Einkommen ab 325 Euro gleich Lohnnebenkosten von 20 Prozent abverlangt, ist falsch konstruiert. In diesem System lohnt sich Arbeit für viele Menschen zunächst nicht, das ist ein Grund für Schwarzarbeit. Zu Beginn der Legislaturperiode haben wir zugestimmt, in Modellversuchen einige Instrumente zu erproben. Vielleicht war diese Experimentierphase zu lang. Jetzt ist sie vorbei.

zeit: Der Kanzler wirft den Grünen eine "Subventionsmentalität" vor, weil ihr Beschäftigungskonzept rund 1,5 Milliarden Mark gekostet hätte. Wie passt das zum bisherigen Konsolidierungskurs?

Kuhn: An diesem Kurs wird nicht gerüttelt. Wir wollten unser Beschäftigungspaket durch Privatisierungserlöse finanzieren. Das war in den Gesprächen mit der SPD allerdings gar nicht der entscheidende Knackpunkt. Es gibt inhaltliche Differenzen, wie man mehr Arbeitplätze oberhalb der Einkommensgrenze von 325 Euro gewinnen kann. Diese Differenz bleibt bestehen, und wir wollen nach der Wahl in den Koalitionsverhandlungen auf Änderungen drängen.

zeit: Der Regierung mangelt es nicht an Geld für die Arbeitsmarktpolitik.