Sicherheitsorientierte Anleger, die auf festverzinsliche Wertpapiere setzen, müssen sich derzeit mit äußerst mageren Erträgen begnügen: Mit 4,3 Prozent ist die Rendite deutscher Staatsanleihen im November 2001 nur noch halb so hoch gewesen wie im Jahr 1991, meldet der Bundesverband deutscher Banken. Wer diese Verzinsung mit Bundeswertpapieren tatsächlich erreichen will, muss allerdings schon Laufzeiten von mindestens fünf Jahren wählen.

Noch ärgerlicher wird es für diejenigen, die ihren Freibetrag von 1601 Euro pro Person für Zinseinkünfte bereits ausgeschöpft haben: Jeder Cent oberhalb dieses Betrages muss mit dem Finanzamt geteilt werden. Anleger mit hohem Einkommensteuersatz erreichen deshalb Nachsteuerrenditen von lediglich knapp über zwei Prozent - wenn sie dem Finanzminister nicht ganz legal ein Schnippchen schlagen.

Und das geht so: Man setzt einfach auf noch niedrigere Zinsen. Wer Anleihen mit niedrigem Zinskupon kauft, kann einen Teil der Rendite in Form von Kursgewinnen kassieren - und die sind nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei.

Rentenpapiere, die eine Verzinsung unterhalb des Marktniveaus bieten, wären bei Kursen von 100 Prozent - das entspräche dem Nennwert, zu dem sie zurückgezahlt werden - für die Anleger unattraktiv. Deshalb notieren sie an der Börse unter pari, man zahlt für sie also weniger, als man bei Fälligkeit der Anleihe zurückerhält. Kauft man beispielsweise eine Anleihe mit einem Kupon von zwei Prozent und einem Jahr Restlaufzeit, liegt diese Verzinsung etwa ein Prozent unter dem derzeitigen Wert für einjährige Finanzierungsschätze des Bundes. Deshalb wird das Papier zu Kursen um 99 Prozent zu kaufen sein. Bei Fälligkeit zum Nennwert streicht der Anleger die Differenz von einem Prozent als Kursgewinn ein, und der Fiskus bleibt außen vor. Je länger die Laufzeiten von Anleihen mit niedrigem Kupon, desto größer ist die Differenz zwischen Kurs- und Nennwert.

Bei diesem Beispiel bleiben allerdings die Gebühren für den Kauf der Papiere unberücksichtigt - und die können sich gerade bei kurzen Laufzeiten als Renditekiller erweisen. Pfiffige Anleger können die Gebührenfalle jedoch leicht umgehen: Sie müssen ihre Hausbank nur nach Eigenemissionen fragen. Die meisten Banken und Sparkassen bieten ihre eigenen Inhaberschuldverschreibungen zu stark ermäßigten Gebühren oder sogar kostenfrei an. Da die Institute den Steuerspartrieb ihrer betuchten Klientel nutzen wollen, begeben sie gern Inhaberschuldverschreibungen mit niedrigen Kupons. Dies geschieht besonders häufig in den ersten beiden Monaten des Jahres, weil dann viele Kunden nach Wiederanlagemöglichkeiten für Zinserträge oder frei werdende Gelder suchen. Also auch jetzt wieder.

Wer seine Zinseinkünfte weit in die Zukunft verlagern will, kann dies ebenfalls ganz legal tun: Man kauft so genannte Zerobonds. Diese Papiere werden bei Fälligkeit zum Nennwert zurückgezahlt, regelmäßige Zinszahlungen gibt es jedoch nicht. Deshalb notieren sie deutlich unter Nennwert. Aber Vorsicht: Bei Rückzahlung ist der gesamte Zinsertrag, nämlich die Differenz zwischen Kaufkurs und Nennwert, auf einen Schlag zu versteuern. Das kann sich durchaus lohnen, wenn der Zerobond im Rentenalter der Sparer fällig wird.

Dann nämlich ist der Steuersatz meistens deutlich geringer als während des Berufslebens.