Bayern, kaum dass sein Ministerpräsident als Kanzlerkandidat ausgerufen wurde, ist zum Gegenstand weitläufiger Spekulation geworden

übrigens auch in Bayern selbst. Wie konnte es kommen, dass dieses Land, das die Natur schon gesegnet hat, sich noch dazu so glücklich, so wohlhabend und wohl geordnet entwickelte? Und wird sich dieses Glück, wenn ein Bayer Bundeskanzler werden sollte, auch auf die ganze Republik ausdehnen lassen? Und wenn nicht, wird dann die unglückliche Republik vielleicht auch Bayern ins Unglück zurückfallen lassen?

Bayern, im Moment seines Triumphes, der zugleich wie eine Revanche für ehemals preußische Überlegenheit empfunden werden kann, erscheint plötzlich seltsam gefährdet

als würde mit einem Male wieder bewusst, dass alles Glück sich einer gewaltigen Willensanstrengung verdankt. Das Anstrengende war aber weniger die Modernisierung, die über Jahrzehnte durch den Länderfinanzausgleich bezahlt wurde, als vielmehr die Pflege des Rückständigen und Zirbelstubenhaften, das den bayerischen Charme ausmacht, aber leider auch nicht vom Himmel gefallen ist.

Vielmehr mussten die Zirbelstuben, die Trachten und Hirschhornknöpfe im 19.

Jahrhundert erst eigens erfunden werden

und zwar von Professoren, die man zu diesem Zweck aus Berlin holte. Denn die bayerische Regierung, schon damals fortschrittlicher als andere, hatte erkannt, dass zur Eisenbahn (dem zeitgenössischen Äquivalent des Laptops) auch die Lederhose gehörte, als identitätsbildende Maßnahme, wie man heute sagen würde, zum Ausgleich von Modernisierungsschäden. Das ist auch glänzend gelungen