Ein Traum von einer Lehranstalt
Mehr Freiheit und Lust am Lernen, mehr Kontrolle und Wettbewerb. Ein Blick in den Stundenplan der Zukunft
Alle reden von anderen, besseren Schulen, aber wie sollen diese aussehen?
Nach dem Schock, den die größte internationale Schulleistungsstudie, das Programme for International Student Assessment (Pisa), vor allem in Deutschland ausgelöst hat, wurden zahllose Reformvorschläge veröffentlicht.
Doch die meisten greifen zu kurz, weil sie weder die Struktur noch die innere Gestaltung der Schulen im Kern berühren. In Ländern wie Kanada oder Neuseeland, die bei Pisa besonders gut abgeschnitten haben, kann man solche anderen Schulen schon studieren: Sie sind lernende Lehreinrichtungen, die sich aktiv und kontinuierlich weiterentwickeln. Eine solche ideale "Nach-Pisa-Schule" wäre auch in Deutschland möglich und könnte ein Modell für jeden Schultyp sein, von der Grundschule bis zum Berufskolleg. Versuch einer Konkretisierung:
Der Unterricht
In der "Idealschule" wird das Lernen viel ernster genommen als bisher, es geht um mehr als um Klassenarbeiten, Prüfungen oder Schulabschlüsse. Hier geschieht nichts, was nicht zu sichtbaren Lernerfolgen führt - und zwar bei den lernschwachen Schülern genauso wie bei den talentierten. Jeder Schüler muss sich ein ganz persönliches Lernziel setzen, das er im Laufe eines Schuljahres konsequent verfolgt. Nicht der Lehrer allein überprüft, ob das Ziel erreicht wurde, die Schüler kontrollieren sich auch selbst. Sie führen Lerntagebücher oder legen ein Portfolio an, in dem sie ihre Lernergebnisse dokumentieren.
Die Schüler sollen dabei möglichst umfassend lernen - also nicht nur Wissen und Können, sondern auch soziale Kompetenzen erwerben und ihren Charakter entwickeln. Sie unterstützen sich gegenseitig und lernen voneinander, indem zum Beispiel stärkere Schüler den schwächeren erklären, was diese nicht verstanden haben, und mit ihnen gemeinsam an Lösungen arbeiten.
Die Schülerinnen und Schüler dürfen selbst mitentscheiden, was sie lernen möchten. Ihre Lehrer machen ihnen Angebote zu verschiedenen Lerninhalten. Die meisten davon sind verpflichtend, andere Themen dürfen abgelehnt werden. Die Schüler sollen dabei in erster Linie das Lernen lernen - also im Umgang mit Arbeits-, Präsentations- und Kommunikationstechniken vertraut werden
- Datum 31.01.2002 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06/2002
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