Kniefall vor dem Nichts

Das Ziel der Zen-Meditation ist die Erleuchtung. Ein Weg dahin führt in die Catskill Mountains. Unweit von New York haben sich knapp 40buddhistische Institutionen angesiedelt. Ein Klosterbesuch

Mühsam zwängt sich das Morgenlicht durch die schmalen Fenster in die viktorianische Dunkelheit des Zen-Klosters. Die Nacht im halb belegten Schlafsaal war schlecht, nicht wegen der harten Matratze, sondern weil sich die Müdigkeit nicht zur allgemeinen Nachtruhe um 21.30 Uhr einstellen wollte - der Versuch, gegen die Gewohnheiten wie gegen einen Jetlag anzuschlafen, scheiterte. Die Glocke um fünf Uhr zerreißt die Müdigkeit, das kalte Zimmer bietet keinen Trost, doch im Speiseraum wartet zum Glück starker Kaffee - eine erfreuliche Überraschung für alle, die rauschmittelfeindlichen Purismus erwartet hatten. Es herrscht Eile: Zum Zazen, der Meditationssitzung, darf man sich nicht verspäten. Die bodenlangen Roben aus grauer Baumwolle verstärken die frühmorgendliche Geschäftigkeit durch unwirsches Knattern und Rascheln.

Das Zen Mountain Monastery in den Catskills von New York State. Ein fast hundert Jahre altes Haus mit spitzen Giebeln, dem von außen nicht anzusehen ist, dass sich dahinter ein buddhistisches Kloster verbirgt. Die Verzierungen der Seitenfassade aus dunklem Granit deuten einen Altar mit zwei Kerzen an, darüber ein imposantes Kruzifix. Als der Mönch John Daido Loori 1980 jedoch zum ersten Mal den Kiesweg zu dem versteckten und damals sehr baufälligen Gebäude hinauffuhr, erkannte er es sofort als sein zukünftiges Zuhause.

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Dabei hatte er nach einem viel bescheideneren Quartier für sein geplantes buddhistisches Kunstzentrum gesucht, nach einer der vielen weißen Holzkirchen zum Beispiel, wie sie für die Region typisch sind. Doch chinesische Weisheit schreibt einem Ort im Schatten eines Berges, an dessen Fuß sich zwei Flüsse vereinigen, gewaltige Kraft zu, und so kaufte der Zen-Meister Haus und Gelände für eine Viertelmillion Dollar. Er besaß nicht einmal ein Hundertstel dieser Summe, doch als der Schatten eines Blaureihers über den im Garten abgeschlossenen Kaufvertrag huschte, wusste er: Alles wird gut. Und tatsächlich: Kurz bevor die erste Rate fällig wurde und sein Scheck zu platzen drohte, gab ihm eine alte Bekannte 10 000 Dollar in bar. Bald kamen die ersten Mönche und versenkten sich in der damals noch unbeheizten Meditationshalle, dem Zendo, in die Kontemplation des Nichts, Mützen auf den geschorenen Köpfen und ihren dampfenden Atem vor den sorgenfreien Gesichtern.

Noch zwei Stunden bis zum Frühstück. Das bis dahin auferlegte Schweigen reibt sich an allen Konventionen der Freundlichkeit. Im Meditationsraum ist jede der quadratischen Matten mit einem Namensschild gekennzeichnet.

Räucherstäbchen, Dämmerlicht. Verbeugung vor dem runden schwarzen Kissen, Hinknien, Ruhe, ein dünner, langer Glockenton. Das Knacken der Heizung, das Knarren des Holzfußbodens und bald darauf die inneren Stimmen, die sich zu nagenden Sätzen formen, Pläne schmieden, an Rechnungen erinnern, Termine anmahnen und vergessene Lappalien zurückholen - ein hämischer Wortreigen verschwört sich gegen die empfohlene Leere, die irgendwo zwischen den Atemzügen liegen soll. Ein trockener, knapper Klang von Holz auf Holz: Pause.

Nach ein paar Minuten wieder Stille. Eine weitere halbe Stunde vergeht im Dickicht hartnäckiger Gedanken. Es folgt eine Messe, monotone Rezitative auf Japanisch und in einem plötzlich ganz fremden Englisch, so weihevoll schreitet es von Silbe zu Silbe. Draußen schneit es in schnellen, dichten Flocken.

Einkehr für abgehetzte Städter

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