Tödliche Zwischenfälle kommen im Zusammenhang mit Schwarzwild besonders häufig vor, was an dem schlechten Image der Tiere liegt: Wühlenden Flurschädlingen darf man, anders als Hirschen oder Rehen, die ganze Nacht nachstellen, sofern das Mondlicht reicht. Was offenbar nicht immer der Fall ist, wie bei zwei Jägern, die sich um Mitternacht auf dem Hochsitz verabredet hatten. Einer kam schon um elf und freute sich diebisch, dass sich schon kurz darauf im Feld ein Schwarzkittel zeigte. Er schoss, und natürlich, es war der Kollege, der auch hatte früher kommen wollen und, getroffen, verstarb.

Klaus-Eberhard Liese, bei der Gotha verantwortlich für Jagdversicherungen, erlebt immer wieder, dass Jäger sich nicht an Absprachen halten oder eine Jagd eigenständig für beendet erklären und quer durch das Schussfeld anderer nach Hause schlendern. Überlebende berichten, dass im Vorfeld tragischer Ereignisse stets zweierlei passiere: Derjenige, der durch den Wald trampelt, kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass man ihn für ein Tier halten könnte

Tiere sind bekanntermaßen leise. Und derjenige, der schießt, kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass es etwas anderes als ein Wildschwein ist, das dort schnaufend durchs Gehölz bricht.

Schusshitzigkeit, diagnostiziert die bisher einzige wissenschaftliche Analyse von Verletzungen durch Jagdwaffen, sei der Auslöser bei über der Hälfte aller Jagdunfälle. Dabei trifft, so die Studie der Universität Münster, brennende Ungeduld durch langes Warten auf allgemeine Gemütshitze.

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen fühlte sich ein 70-Jähriger auf der Pirsch von zwei dunklen Gestalten bedroht, riss die Büchse hoch und schoss, in Notwehr, wie er später der Polizei erzählte. Die Gestalten waren Jungrinder. Auf einer Wiese im Westerwald streckte ein Jäger zwei mutmaßliche Wildschweine mit gezielten Schüssen nieder. Erst dann merkte er, dass er zwei Ponys erlegt hatte. Bei Regensburg nahm vor Jahren ein Hobbyjäger im Wald übende Bundeswehrsoldaten unter Feuer und erschoss einen 23-jährigen Rekruten, den er für ein Wildschwein hielt.

Bei Gesellschaftsjagden lässt der Konkurrenzdruck den Jägerfinger am Abzug noch ungeduldiger werden: Haben andere Jagdteilnehmer bereits veritable Strecken präsentiert, wollen die anderen nicht zurückstehen.