Kirchs leichtfertige Finanziers von mindestens 5,6 Milliarden Euro, an der Spitze die Bayerische Landesbank, werden darauf beharren, dass, in den Worten eines Allianz-Vorstands, "Kredite dazu da sind, zurückgezahlt zu werden". Zumal Edmund Stoiber ist an einer schnellen Abwicklung interessiert. Sein Finanzminister Kurt Faltlhauser, Verwaltungsrat der Landesbank, hatte allerlei Kirch-Krediten zugestimmt. Das gehörte sich so im Amigo-Land - und passt nicht in den Wahlkampf.

Frisches Geld gäbe es für Helmut Kohls Duzfreund Kirch prinzipiell in ganz Deutschland nicht mehr: Das durfte er aus dem Mund seines Gläubigers Rolf E. Breuer (Deutsche Bank) erfahren - die böse Botschaft entnahm der bedrängte Medienmogul einem TV-Interview. Es war, so ein erstaunter Kollege Breuers, "der Genickschuss".

Rauer war das Geschäftsklima für Kirch bereits nach der Abwahl seines Schutzpatrons Kohl geworden, der für ihn schon mal das Filmförderungsgesetz umfrisierte. Dann erwärmte sich die Deutsche Bank für die Idee von Mercedes (auch in ihrem Mitbesitz) und von anderen Autoproduzenten, einen eigenen Grand-Prix-Zirkus aufzubauen. Kirchs alte Formel-1-Übertragungsrechte würden nur noch Go-Kart-Preise wert sein: Medien-Monopoly in der guten alten Deutschland-AG.

Dass Gerhard Schröder im Hintergrund mitspielte, erstaunt kaum: Rupert Murdoch, ein wahres Presse-Krokodil, drohte vollends in Kirchs Kartenhaus einzudringen. Einen Fuß hat er schon drinnen. Der 70-jährige australo-amerikanische Multimilliardär, der seine Schulden - anders als Kirch - einst auf hundert und mehr Banken verteilt hatte, ist ebenso dynamisch wie reaktionär. Ein Sozialdemokrat wäre er allerdings auch, wenn's seine Rendite verbessern würde. Tony Blair konnte auf ihn bauen (siehe auch Leben, Seite 54). Die unsäglich antieuropäische (und antideutsche) Gesinnung, die Murdoch seiner englischen Gossen-Journaille The Sun verordnet hat, dient nun den marktliberalen Ordnungspolitikern der deutschen Hochfinanz als vorgezogene Entschuldigung für ihren absehbaren ordnungspolitischen Sündenfall: den ausländischen Investor, wenn's nur irgend geht, aus dem Binnenmarkt Deutschlands auszugrenzen. Da läuft die nationale Konsensmaschine wie geschmiert.

Die Kreditkathedrale, die Kirchs Bankiers gebaut haben, könnte auch über ihnen zusammenkrachen. Mitleid wäre verschwendet. Schade ist es um Leo Kirch: ein Mann mit Visionen und Risikofreude - ein klassischer Entrepreneur unter Buchhaltern. Als prachtvoller Beelzebub der Medienkritik hatte er Axel Springers Rolle geerbt. Man möchte ihn nicht missen. Staunen können wir nur über seine generösen Geldgeber. Was haben sie sich gedacht?