Also: Die Motorwelt war eher bei meinen Eltern als ich. Lange habe ich geglaubt, sie sei nicht nur vor 1972 ins Haus gekommen, sondern immer schon da gewesen. Jahre bevor ich ein eigenes Zimmer bekam, hatte sie längst ihren festen Platz: auf dem Couchtisch, linke Ecke, bündig zur Kante, mal über, mal unter der Funk Uhr. Ich kam der Motorwelt also erst auf die Spur, als mein Blickfeld Tischplattenniveau erreichte. Damals ging der Käfer, und es kam der Golf, auf dem Cover und bei uns.

Was blieb bei allem Wandel, das war diese Skepsis, das Motorwelt- Misstrauen - schwarz, breit und stark in den Überschriften. Ich habe das jetzt noch mal nachgelesen, in der Februarausgabe: Hält die Batterie durch? Schon mit 17 fit fürs Steuer? Habe ich die richtigen Euro im Geldbeutel?

Man kann ja nie wissen. Wissen kann man nur: Der ADAC ist eine Versicherung für Verunsicherte.

Davon gibt es viele. Es gibt 4 Millionen Iren, 5 Millionen Finnen, 10 Millionen Portugiesen, 15 Millionen Niederländer - und 18 Millionen Motorwelt- Leser. Keine Zeitschrift Europas hat eine größere Reichweite, Anfang des Monats liegt sie in fast jedem zweiten deutschen Briefkasten. Völkerkundler könnten hier ergründen, was dieses Volk so umtreibt.

Im dunklen Winter 2002 zum Beispiel dies: Nacht-Attacke: Wildschwein gegen Autofahrer.

Gemein, das Schwein.

Auch missfällt dem Deutschen, wenn er bei seiner touristischen Eroberung Europas durch südländische Schlamperei gebremst wird: »Die Ausbauarbeiten auf der Gardasee-Uferstraße sollen noch bis Ende Juli dauern«, »bis 13. März wird die Strecke Riva-Limone erneut komplett gesperrt«.