Der Mensch trinkt, nur das Vieh säuft, lautet eine Redensart unter Komtessen. Und was säuft das Vieh? Es säuft Wasser, wie jeder Rennstallbesitzer weiß. Der Mensch hingegen ... Nein, er trinkt nicht nur Wein, Gin, Bier, er trinkt auch Wasser. In großen Mengen und am liebsten aus Plastikflaschen. Was natürlich ein Zeichen des Wohlstands ist.

Denn früher, als wir noch die Pfennige zählten, tranken wir Leitungswasser.

Das, was in Flaschen verkauft wurde (in Glasflaschen), nannten wir Sprudel, und es wurde auch Rülpswasser genannt. Die großen Kohlensäurebläschen hatten die Geld sparende Wirkung, dass Kinder das Zeug kaum runterkriegten und beim Sonntagsausflug davon nur wenig tranken. Es musste schon giftgrün oder knallrot sowie knatschsüß sein, dass wir uns darauf freuten. Normalerweise tranken wir Wasser aus dem Kran. Oder Milch.

Ich habe nie begriffen, warum sich das geändert hat. Denn erstens sind vor allem deutsche Mineralwässer stark mit Kohlensäure belastet, was sie bestenfalls für eine Schorle geeignet macht (oder einen G'spritzten, wie die Österreicher verdünnten Wein nennen). Zum Essen getrunken, werden sie der alten Bezeichnung wieder gerecht: Rülpswasser. Deshalb enthalten dort, wo das Essen ernst genommen wird, nämlich in Frankreich, die Tischwässer überhaupt keine Kohlensäure.

Stille Wässer nennt man die, und sie sind keineswegs tief, wie eine andere Redensart es wissen will, sondern nur besser bekömmlich.

Dennoch ist allen Wässern und Wässerchen gemeinsam ein gewisser Anteil an Keimen. Jawohl Keime! Diese von Deutschen und Amerikanern gleichermaßen gefürchteten Produkte des Bösen, welche den Amerikanern die Manneskraft rauben (wofür die Commies verantwortlich sind) und uns qualvolles Siechtum bescheren.

Kein Wunder, dass die Stiftung Warentest schon zum zweiten Mal in drei Jahren einen Mineralwassertest durchgeführt hat. In der Februarausgabe ihres verdienstvollen Magazins nehmen die Tester 31 Mineralwässer unter die Lupe.