die zeit: Die meisten Israelis sind deprimiert, weil sie kein Ende des Konflikts, keinen Ausweg aus der jetzigen Gewaltspirale sehen. Sie auch?

Sami Michael: Ich bin nicht deprimiert, sondern sehr besorgt, weil heute beide Völker extremistischer sind als ihre Regierungen. Wenn es morgen in Israel Wahlen gäbe, würde Benjamin Netanjahu gewinnen, den Scharon noch mehr fürchtet als Arafat. Auf der palästinensischen Seite gilt genau dasselbe.

Arafat hat auch Angst vor seinem Volk. Der gegenseitige Hass sitzt tief nach mehr als hundert Jahren Konflikt.

zeit: Sie gehören zu jener winzigen Gruppe, die trotz allem für den Frieden demonstrieren geht. Hat das noch Sinn?

Michael: Ja, die Linke ist fast völlig paralysiert vor Enttäuschung. Denn ihr Konzept baute auf die guten Absichten Arafats und auf eine romantische Annäherung ihm gegenüber. Die Liebe ist nun umgeschlagen. Mein Kollege A. B.

Jehoschua hat dies treffend formuliert, als er sagte, dass man den PLO-Chef jetzt aus der Tiefe des Herzens hasse. Ich glaube, dass es ein Fehler wäre, die Palästinenserbehörde zu stürzen, weil uns dies nur zurückwerfen und Chaos schaffen würde. Das würde ein Einfrieren der jetzigen Situation ohne Lösung bedeuten.

zeit: Hier von Ihrem Wohnzimmer aus überblickt man das Meer, die Wälder von Galiäa und den Libanon. Hat man von Haifa aus eine besondere Sicht auf den Nahen Osten?