Es ist eine der schönsten Szenen in diesem Roman: Eine Horde von Jungen, allesamt Schüler des Internats von Devon, erfinden ein neues Spiel. Und ehe sie es erfinden, spielen sie es schon: "Alles, was man wirklich braucht, ist ein runder Ball." Ein Medizinball. Schnell noch ein Name: Blitzkriegball schlägt einer vor, es soll irgendwie mit dem Krieg zu tun haben, im nächsten Jahr sind diese 16-jährigen Schüler vielleicht schon Rekruten gegen Hitler.

Blitzball, ändert Phineas, Chef und Wortführer der kleinen Truppe, das schnell ab. Blitzball also, auf geht's. Typisch Phineas, wenn er nicht gerade Regeln bricht oder unterläuft, dann stellt er selber welche auf. "Finny", der Star, der beste Sportler der Schule.

Ganz im Zeichen einer seltsamen Freundschaft steht der erste Teil dieses Romans. Von Beginn an ist sie gefährdet, erstarrt im Überschwang der Verehrung. Gene Forrester, der Ich-Erzähler, erinnert sich an seinen Freund, an den "Vorfall", den Dreh- und Rätselpunkt der Erzählung. Da steht ein hoher Baum am Fluss, mit einem starken Ast. Ort einer Mutprobe, von Phineas erdacht: Spring runter ins Wasser - aber spring kräftig, sonst knallst du aufs Ufer. Und eines Tages sind Gene und Finny wieder auf dem Ast. Aber wo bei Gene noch kurz zuvor die Verehrung hauste, steckt jetzt ein trüber Verdacht, ein Mehltau aus Neid und Konkurrenz, ein übler Ausfluss aus dem sozialen Kodex dieser Schule. Gene glaubt, Phineas veranstalte all das ständige Theater aus Spiel und Spaß nur, um ihn abzulenken und seine schulischen Leistungen zu drücken: "Auf diese Weise würde er, der große Athlet, mir immer voraus sein. Das alles war kalter Schwindel, war Berechnung, Feindschaft." Ein Moment des Bösen auf dem Ast - Phineas verliert das Gleichgewicht, schaut erstaunt dem Freund in die Augen, fällt und landet "mit einem ekelhaften, unnatürlichen Knall auf der Uferbank".

Phineas ist Invalide. Und die Sache gärt weiter. Bis zu einer "Gerichtsverhandlung" der Schüler, bis Phineas aus der Aula rennt und auf der Marmortreppe schwer stürzt. Sein zweiter Fall, und an dessen Folgen wird er während der Operation sterben. Ungern erzählt man das nach. Was in der Kürze konstruiert erscheinen mag, hat Knowles dicht komponiert. Langsam erzählt, so beharrlich wie melancholisch, kein Fänger im Roggen, und doch mit jähen Wendungen und Nebensträngen bereichert. 1959 erschien dieser Roman von John Knowles unter dem Titel A Separate Peace, 1963 folgte eine deutsche Übersetzung von Uwe Johnson, Titel: In diesem Land, und jetzt ist er wieder zu lesen, übersetzt von Hansjörg Schertenleib. Allemal die Wiederentdeckung eines Klassikers: unzeitgemäß, konzentriert - und suggestiv.

Gene Forrester erlebt und beschreibt seine Freundfeindschaft gegenüber Phineas als Krieg. Ein vorweggenommener Krieg - Gene Forrester steht im Feldzug gegen Hitler-Deutschland und erlebt sich als nur bedingt angriffsbereit: "Ich tötete niemand und entwickelte nie einen nennenswerten Hass gegen den Feind. Denn mein Krieg war zu Ende, bevor ich eine Uniform anzog. Meine aktive Dienstzeit verbrachte ich während der Schulzeit. Dort tötete ich meinen Feind."

John Knowles starb am 29. November 2001 im Alter von 75 Jahren in Florida.

John Knowles: Ein anderer Frieden