Fasten ist wieder in Mode. Entschlacken, den Körper und den Geist. Aber eigentlich ist es ein alter Hut. Schon Jesus Christus hat schließlich nach seiner Taufe 40 Tage lang nichts gegessen. Keiner der Evangelisten verrät etwas über die Gründe. Etwa über den Verlauf der Tauffeier. Ob dabei ähnlich viel getrunken wurde wie bei der Hochzeit zu Kanaa? Übereinstimmend berichten Matthäus, Markus und Lukas nur, Jesus habe sich zum Fasten in die Wüste zurückgezogen und am Ende unter Halluzinationen gelitten. Dabei ist die Rede von Steinen, die zu Brot wurden, vom Fliegenkönnen und von der Herrschaft über alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht. Damals hat man solche Phänomene noch dem Teufel zugeschrieben. Heutige Hungerkünstler wissen, dass die Euphorie nach ein paar Fastentagen durch das Hormon Serotonin ausgelöst wird.

Eine ungeheure Wirkung, wenn man bedenkt, dass man dafür etwas nicht tut.

Andererseits: Fasten bringt überhaupt nichts. Das behaupten zumindest jene, die es noch nie richtig probiert haben und für jede Ausrede dankbar sind.

Denn erstens: Fasten macht eben nicht schlank. Wir erinnern uns an einen deutschen Spitzenpolitiker, der jedes Jahr, kurz vor Ostern, für ein paar Tage ins Salzburgische verschwand. Wo er, wie man hörte, tagelang auf trockenen Brötchen herumkaute. Spätestens zu Pfingsten hatte er noch mehr Bauch als je zuvor.

Zweitens: Fasten macht nicht glücklich. Joggender Beleg dafür ist eine andere Person der Zeitgeschichte, die durch Fasten und Marathonläufe zwar ihre im Politikerstress erworbene Wampe loswurde - bisher sogar nachhaltig. Aber lässt sich so ein Gesicht allein mit der Weltlage erklären?

Schließlich: Fasten macht unbeliebt. Wer fastet, ist gereizt. Wer fastet, riecht nicht gut. Wer fastet, macht seinen weiterhin der Völlerei huldigenden Mitmenschen pausenlos ein schlechtes Gewissen. Denn die meisten Menschen mögen es nicht, wenn andere etwas können, was sie selbst nicht schaffen.

Schon gar nicht, wenn es eigentlich nicht ums Können geht. Sondern ums Wollen. Menschen, die sich selbst im Griff haben, sind den anderen unheimlich. Sie könnten ja auch sie im Griff haben.