Berlin

Kampagnen haben schon mehr Spaß gemacht. Dabei hat die SPD inzwischen den Gegenkandidaten, den sie sich gewünscht hat: Edmund Stoiber, den Mann, der keinen Lagerwahlkampf führen will, ihm jedoch nicht entkommen wird. Meint Matthias Machnig. Als Chef der SPD-Wahlkampfzentrale - der Kampa 02 - ist das die Aufstellung, die er favorisiert: Stoiber, der rechte Spalter, gegen Schröder, den einenden Staatsmann der Mitte. Damit das klar wird, macht die SPD in der kommenden Woche sogar eine eigene Veranstaltung zum Thema "Mitte" mit illustren Gästen aus derselben und einer Schröder-Rede. Wunschdenken? Oh nein, Machnig vertraut auf die innere Dynamik des Unionsmilieus, wie er es sieht: Die rechte Stammklientel sowohl in den beiden christlichen Schwesterparteien wie in den Medien werde dem Bayern die Rolle des modernen, milden Konservativen nicht durchgehen lassen.

Nun spricht ja einiges dafür, dass die Union Machnigs Erwartung nicht enttäuschen wird. Aber vorerst würde das den Kampa-Managern in Berlin-Mitte nicht sehr helfen. Denn im Moment hat die SPD in dieser Frühphase des Wahlkampfs 2002 ihre ganz eigenen Probleme. Offenkundig läuft es nicht rund für Schröders Partei. Was nützt der fast schon vergessene peinliche Stolperstart des bayerischen Kandidaten bei Sabine Christiansen, wenn zugleich schwere politische Pannen der Regierung die Schlagzeilen bestimmen?

Was hilft das steuerpolitische Durcheinander bei der Opposition, wenn sich inzwischen auch eher koalitionsfreundliche Medien teils schaudernd, teils empört dem Leistungsdefizit des rot-grünen Kabinetts widmen? Ein Meinungsforscher aus dem SPD-Umfeld warnt: Lange dürfe die Regierung sich diesen "Murks auf allen Gebieten" nicht mehr leisten. "Irgendwann verfestigt sich das Image: Das sind alles Luschen, die es nicht packen." Sobald dieses Bild der Inkompetenz sich etabliert habe, werde auch der gegenwärtige Popularitätsvorsprung Schröders vor Stoiber für das dreifache Wahlziel - Schröder: Kanzler, SPD: stärkste Partei, Rot-Grün: weitermachen - nicht mehr reichen.

Das sozialdemokratische Wahlkampfproblem 2002: Wenn die Regierung als Werbeträger ausfällt, kann auch die beste Kampagne nicht helfen. Ein paar tüchtige Minister mit freundlichem Echo im Volk gibt es ja, die aber sind fast alle vom Koalitionspartner und der hängt in den Umfragen durch. Schröder weiß das, zeigt nach außen zwar staatsmännische Gelassenheit und spricht tapfer von der Notwendigkeit der Kritik in der Demokratie, die es zu ertragen gälte. Doch in Wahrheit ist der Kanzler nervös, die Kritik nervt ihn, zumal wenn er sieht, dass sie begründet ist. Die Pannennachrichten, von den NPD-Spitzeln bis zur Bundesanstalt für Arbeit, zerren an seinen Nerven, die Wirtschaftsentwicklung ebenfalls. Und natürlich spürt Schröder, bei allem Pragmatismus, dass er für den eigentlichen Wahlkampf noch keine zündende Botschaft hat. Das zentrale Thema, das die Menschen in einer Zeit der Unsicherheit ermuntert und mobilisiert, ist noch nicht gefunden.

Auch im Kreis um Matthias Machnig nicht, wo man schon länger Slogans und Logos testet und testen lässt. Optionen liegen auf dem Tisch, aber endgültige Entscheidungen sind noch nicht gefallen. Das kann noch dauern. Machnig hat nicht das letzte Wort. Der Wahlkampf mag sehr amerikanisch aussehen. Aber so weit ist die Amerikanisierung noch nicht gediehen, dass der Manager wichtiger ist als der Kandidat.

Matthias Machnig ist mit seinen Helfern schon vor vielen Wochen aus dem Willy-Brandt-Haus in das Kampa-Quartier in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte umgezogen. Dies hier ist sein Biotop. Hier fühlt er sich wohl, hier wirkt er, hier wohnt er. Er ist die Kampa. Eine Privatadresse in Berlin hat er auch, ohne Telefonanschluss. Braucht er nicht, ist eh nie dort. Da reicht das Handy.