Der Kandidat wird konkret. Edmund Stoiber will den Arbeitsmarkt für Geringverdiener auf- und ausbauen. Bis zu einem Monatsverdienst von 400 Euro sollen gar keine Sozialbeiträge mehr anfallen, und erst ab 800 Euro sollen sie in vollem Umfang erhoben werden. Wenn Arbeitslose wieder arbeiten gehen, würde der Staat ihren Lohn auf mehr als die bisherige Unterstützung heraufsubventionieren. Drei Milliarden Euro jährlich plant Stoiber dafür ein - und verbindet das Konzept mit dem schon allseits bekundeten Willen, die Arbeitsunwilligen konsequent zu bestrafen. Das kostet gar nichts.

Dass die Idee hinter dem Vorschlag schon vor zweieinhalb Jahren im Schröder-Blair-Papier stand, macht sie nicht falsch: Legales Arbeiten und eigene Initiative müssen sich gerade für diejenigen lohnen, deren Fähigkeiten einen geringen Marktwert haben. Nur dann lässt sich die rekordverdächtige Schwarzarbeit verringern, nur dann lässt sich der massive Sockel von Langzeitarbeitslosen reduzieren.

Doch der Kandidat wird zu konkret. Bis zu 800 000 Jobs meint Stoiber auf seine Weise schaffen zu können - ohne eine zusätzliche Mark Schulden aufzunehmen. Wer solche Hoffnungen weckt, so muss vermutet werden, meint es nicht ganz ernst. Denn einzelne Reformen am Arbeitsmarkt verpuffen schnell, wenn andere Bedingungen nicht stimmen. Will Stoiber das Tarifkartell brechen, wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber in ihren Verträgen keine Jobs zu Niedriglöhnen vorsehen? Will er, wie der Wirtschaftsminister, den Kündigungsschutz einschränken, damit Unternehmer reguläre Jobs einrichten, ohne gleich an die Ewigkeit zu denken? Will er die Bezugszeiten für Geld aus der Arbeitslosenkasse generell verkürzen? Dazu schweigt der Kandidat.

800 000 Jobs für nichts? Das kauft ihm niemand ab. Sein Pech, dass Kohl und Blüm, Schröder und Co. einst ähnliche Versprechen gaben - und sie nicht halten konnten. Stoiber wird sagen müssen, wessen Besitzstand er antasten will. Es kann nicht nur der von schwarzarbeitenden Hilfeempfängern sein.