Frieden? Spricht da jemand vom "Frieden" am östlichen Mittelmeer? Dort, wo Israelis und Palästinenser einander zerfleischen, wo die Fregatten der Amerikaner kreuzen, um nahöstliche Diktatoren in Schach zu halten? Ja.

"Frieden!", sagen ganz unverblümt Giorgios Papandreou und Ismail Cem, der griechische und der türkische Außenminister.

Am Dienstag verkündeten sie in Istanbul, offizielle Gespräche über Hoheitsgewässer und die Felsen des Anstoßes in der Ägäis aufzunehmen. Die beiden Minister, nicht zufällig zwei sehr umgängliche, angenehme Männer, haben in vielen Gesprächen diese kleine diplomatische Revolution ermöglicht.

Noch vor sechs Jahren standen sich in der Ägäis griechische und türkische Kriegsschiffe Bug vor Bug gegenüber. Weiter im Osten, auf Zypern, führen seit Januar zwei vierschrötige, eher schroffe Männer Gespräche: der Türke Rauf Denktas und der Grieche Glavkos Kleridis. Dreimal pro Woche treffen sie sich, um die Teilung ihrer Insel zu überwinden.

Da wird in bester levantinischer Manier gefeilscht. Griechen und Türken haben sich nichts zu schenken nach einem Jahrhundert der Kriege und Vertreibungen.

Entscheidend ist, dass sie die Albträume des anderen ernst nehmen. Genau dies scheinen sie derzeit zu tun. Recht ungewöhnlich für die Gegend. Ariel Scharon und seinen arabischen Feinden geht das ab. M.T.