Duisenbergs Entschluss, seinen Rücktritt jetzt anzukündigen, war gut und richtig

er unterstreicht die politische Unabhängigkeit des Mannes und seiner Institution, der Europäischen Zentralbank. Und wenn die in Paris anhängige Untersuchung wegen einer früheren beamteten Tätigkeit Trichets sich bis zur Ernennung eines Nachfolgers erledigt hat, dann ist er ein idealer Kandidat.

Duisenbergs Rücktritt zu seinem 68. Geburtstag im Juli 2003 beendet die von vielen Seiten geschürten, dem Ansehen der EZB abträglichen Spekulationen über das Datum des Wechsels an der Spitze. Duisenberg hat dafür Dank verdient

jene Analysten, Chefvolkswirte und Investmentbanker, die eine gegenteilige Auffassung verbreitet haben, sind zumeist Euro-Gegner oder Euro-Skeptiker und deshalb nicht sonderlich ernst zu nehmen. Letzteres gilt besonders für die Urheber des hämischen Vorwurfs, nunmehr werde Duisenberg für die nächsten anderthalb Jahre zu einer lahmen Ente. Der Begriff lame duck kommt aus den USA, er wird dort für einen demnächst aus dem Amt ausscheidenden Präsidenten gebraucht, der es zusehends schwerer hat, Mehrheiten im Parlament zusammenzubringen. Der Präsident der EZB dagegen ist von solchem Handicap ebenso wenig betroffen wie etwa der Präsident der US-Zentralbank.

Duisenbergs Geldpolitik ist ähnlich antiinflationsorientiert wie früher die Geldpolitik der Bundesbank. Kurzfristige politische und publizistische Pressionen, beispielsweise von französischer Seite, haben die EZB bisher nicht in ihrem Kurs beeinträchtigen können. Deshalb war die Inflationsrate des Euro niedrig (Die der Mark war bisweilen deutlich höher!). Das wird künftig nicht anders sein, auch nicht unter Trichet.

Die heute etwas unterbewerteten Wechselkurse des Euro, welche 1998 bei Beginn überhöht waren und seither zurückgegangen sind, kann die EZB nur marginal beeinflussen, ebenso wenig wie das U. S. Federal Reserve System den heute überhöhten Wechselkurs des Dollar. In der Fed haben deshalb seit der Aufhebung weltweit fester Wechselkurse 1972/73 alle ihre Präsidenten - von Burns über Volcker bis Greenspan - den Grundsatz des benign neglect befolgt, zu Deutsch: Sie haben dem Wechselkurs des Dollar freundliche Nichtbeachtung zugewandt. Das ist auch ein guter Rat für den Euro - allerdings braucht die EZB diesen Rat kaum. Bisher ist der Dollar-Wechselkurs des Euro stabiler, als der der D-Mark gewesen ist. Die Mark stand schon wesentlich niedriger

als sie gegenüber dem Dollar weit höher stand, hat das unserer exportierenden Industrie sehr zu schaffen gemacht.