Eigentlich gibt es zwei Firmen, die Flextronics heißen und für Markenhersteller wie Nokia oder Sony Zigtausende von Mobiltelefonen und Digitalkameras montieren. Die eine Flextronics entkam knapp dem Bankrott, die andere ist heute der Welt größter Auftragsproduzent mit 13 Milliarden Dollar Umsatz. Der 51-jährige Amerikaner Michael Marks kennt sie beide. Zur ersten, Flextronics Incorporated, stieß er 1989, um die Geschäfte in Kalifornien zu leiten. Es dauerte nicht lange, und die Firma kam in finanzielle Bedrängnis, verkaufte ihre Fabriken in Asien und musste die Produktion in den USA herunterfahren. Enttäuscht verließ Marks diese Firma.

Aber der Sohn eines Klimaanlagenmonteurs beschloss zurückzukehren. 1993, keine vier Jahre später, hatte er das nötige Geld bei Risikokapitalgebern aus dem Silicon Valley eingesammelt. Mit deren Kapital übernahm er die Werke in Asien und baute die Firma unter dem Namen Flextronics Limited neu auf.

Marks glaubte an das Outsourcing-Geschäft, und seine Beharrlichkeit sollte sich auszahlen. Die Firma wuchs von nun an jährlich um 60 Prozent. Ihren Hauptsitz verlegte sie nach Singapur, geleitet wird sie aber aus dem kalifornischen San Jose.

In nur drei Jahren führte Marks Flextronics aus den roten Zahlen und verwandelte den Nettoverlust von 6,2 Millionen Dollar im Jahr 1992 zu einem Gewinn in genau dieser Höhe. Er verdreifachte die Umsätze, bis sie 1995 auf 237 Millionen Dollar gestiegen waren. Diese Zahlen scheinen Marks nicht zu beeindrucken. Seine Ziele sind ganz andere: In den nächsten fünf Jahren soll Flextronics 25 Milliarden Dollar Umsatz erreichen - das wäre mehr, als Microsoft heute erwirtschaftet.

Größe hat ihn noch nie abgeschreckt. Mit nur 1,65 Metern ist Michael Marks nicht der typische Spieler für Basketball, trotzdem ist er regelmäßig auf dem Platz. Der typische Vorstandsvorsitzende ist er auch nicht. Anzüge sind ihm zuwider, stattdessen trägt er lieber grün-gelbe Poloshirts und ausgebeulte Bundfaltenhosen. Von modernen Managementinstrumenten hält er wenig, Besprechungen, Organigramme und langwierige strategische Analysen sind seine Sache nicht. Konzentrierte Macht ist das Rezept: Bei Flextronics ist Marks zugleich Präsident und Vorstandsvorsitzender.

Michael Marks macht nicht viele Worte. "Schnelle Entscheidungen und dann zurück an die Arbeit", daran glaubt er. Die Übersicht über sein Unternehmen behält Marks, indem er die Werke in Asien, Europa und Lateinamerika so oft wie möglich besichtigt. Fast täglich sitzt er im Flugzeug. Nebenbei ist er auch der oberste Handlungsreisende von Flextronics. "Immer wenn Michael zurückkommt, bringt er neue Aufträge mit, und wir müssen Überstunden machen", berichtet einer seiner Werksleiter in Mexiko.

Beim Gewinnen neuer Kunden kommt Michael Marks seine Ausbildung zugute.