In Bombay schleichen sich Souvenirs für die Lieben daheim geradezu von selbst in den Koffer - bunt, variantenreich und im Spektrum von extrem billig bis sehr teuer. Da kann man als Tourist nicht klagen, außer vielleicht über Gewichtsprobleme beim Rückflug. Allein, gar mancher Holzelefant und Bronzekrishna entwickelt beim Auspacken ein dermaßen folkloristisches Eigenleben, dass man dann doch auf den nächsten Kindergeburtstag oder die nächste Party von alternden Hippies warten muss, um die Sachen tatsächlich verschenken zu können.

Ein befreundeter Filmkritiker bewahrte mich vor diesen Fehlkäufen, als er mich in einen zirka drei Quadratmeter großen Ladenverschlag (Zain Cineposter Suplier) führte, in dem es extrem heiß und dunkel war

es stank auch ein bisschen. Schnell stellte sich heraus, warum sich der Besitzer ganz einfach erlauben kann, wenig Wert auf Äußerlichkeiten zu legen: Er ist Gralshüter eines Schatzes, zu dem früher oder später all jene Menschen finden werden, die man filmbuffs nennt. Das sind bekennende Kinosüchtige, zu denen man wohl 90 Prozent der indischen Bevölkerung zählen kann - aber auch meine Kolleginnen und Kollegen aus Berlin, für die ich bei Hasan Khan die wohl geeignetsten Mitbringsel fand, die man sich vorstellen kann.

Herr Khan verkauft alte Bollywood-Filmposter, Originale und Reproduktionen in unvorstellbarer Vielzahl, eines wilder, dramatischer, kitschiger und größer als das andere. Wunderschön gezeichnete Heroinen, die in Armen von starken Maharadschas liegen, auf Blumen tanzende Liebespaare im Mondschein, sich prügelnde Verbrecher und sogar eine indische Lady Tarzan, mit einem Leoparden über der Schulter.

Ich konnte nur mit Mühe meine Begeisterungsschreie unterdrücken, als Hasan Khan mit gleichgültigem Gesicht ein Plakat nach dem anderen entrollte und mit jeweils kurzem Blick fragte, ob er es auf den Stapel der bereits ausgewählten legen solle.

Tatsächlich geriet ich in einen Kaufrausch, der mich aber nicht teuer zu stehen kam. Historische Filmplakate sind schon ab umgerechnet 26 Cents zu haben, wobei natürlich erst die glücklich lächelnden Cineastengesichter der Beschenkten den echten Wert reflektieren.

Dennoch: Die Rolle war am Ende so dick, dass das bekannte Gewichtsproblem am Flughafen doch wieder auftauchte. Zum Glück war der Schalterbeamte - kein wirklicher Zufall in Bombay - selbst ein filmbuff und begann verzaubert, den Titelsong aus dem Film zu singen, dessen Poster zuoberst lag. Und ließ mich großzügig lächelnd die Kontrolle passieren.