Der Zugdrachen ist so groß wie ein Fußballfeld. Seine Form erinnert an einen gigantischen Gleitschirm. 300 Meter hoch schwebt er über dem Meer und schleppt ein riesiges Containerschiff hinter sich her. Quer über die Ozeane: von England nach Kanada, von Brasilien nach Australien, von Spanien nach Südafrika.

So weit die Vision. Stephan Wrage, 29-jähriger Erfinder und Unternehmer aus Hamburg, glaubt fest daran, dass sie in drei bis fünf Jahren Wirklichkeit sein wird.

Die Realität heute ist ein neun Quadratmeter großes Segel, das, etwas zögerlich, einen dreieinhalb Meter langen, quietschgelben Plastikkatamaran über den Köpenicker Müggelsee zieht. Wrage hat Probleme mit dem unsteten Berliner Ostwind, das Drachensegel will nicht recht zur Entfaltung kommen.

Nach seinen Berechnungen werden mindestens drei Windstärken benötigt, um den Prototyp, den seine Firma Skysail baute, auf 20 Stundenkilometer zu beschleunigen. Kurz sorgt eine Böe für etwas Fahrt, doch das war es dann auch schon. Der Zugschirm landet im Wasser, Ende der Testfahrt. Beim nächsten Versuch geht es auf die Ostsee, sagt der Jungunternehmer leicht genervt, egal, wie kalt es ist! Wer die Frachtschiffahrt auf den Weltmeeren revolutionieren will, darf sich vom flauen Müggelsee nicht entmutigen lassen.

Seine Idee, davon ist er überzeugt, kann zu einer historischen Halse im Schiffbau führen: zurück zum Segel. Investoren aus der Schiffbaubranche signalisieren bereits Interesse, sich bei Skysail einzukaufen. Mindestens 60 Prozent Treibstoff werden Containerschiffe und Öltanker sparen, wenn sie das Skysail hissen, sagt Stephan Wrage - werden, sagt er, nicht würden. Das macht viel aus im hart umkämpften Schiffstransportgewerbe: Ein 160 Meter langer Frachter verbraucht im Jahr durchschnittlich Diesel im Wert von 500 000 Euro. Die Anschaffungskosten von rund einer Million Euro pro Großsegel, sagt Wrage, könnten sich besonders in Zeiten hoher Ölpreise schnell für die Kunden rechnen.

Bislang besteht die Firma Skysails aus Stephan Wrage, einem Sperrholzschreibtisch in dessen Wohnzimmer im Hamburger Stadtteil Ottensen sowie seinem Laptop, auf dem sein Businessplan gespeichert ist. Unterstützt wird Wrage vom Berliner Schiffbauingenieur Thomas Meyer, der auf seiner Werft in Köpenick in kleiner Stückzahl solargetriebene Schiffe baut und vermietet.

Hier wurde auch der Skysail-Prototyp mit seiner komplizierten Halte- und Steuervorrichtung versehen, die das Segel, ähnlich wie bei einem Kinderlenkdrachen, in die gewünschte Richtung dirigiert.