Es ist nur ein kleines, quadratisches braunes Buch. Aber die Vorstellung der 36 Letters - The Story of Sophie Lissitzky-Küppers Family am 14. Februar im Presseclub in Frankfurt sorgt schon im Vorfeld für Aufregung. Es geht um das Erbe des russischen Malers El Lissitzkij und seiner Frau Sophie, die in erster Ehe mit dem Sammler und früheren Direktor der Kestner Gesellschaft in Hannover, Paul Erich Küppers, verheiratet war - Wert: schätzungsweise 70 Millionen Dollar.

Bisher war als Alleinerbe immer nur der 1998 in den Westen übergesiedelte und in Spanien lebende Jen Lissitzkij aufgetreten. Gemeinsam mit dem Kunstdetektiv Clemens Toussaint gelang es ihm, Werke aus dem früheren Besitz der Mutter zurückzuerlangen, sowohl von der Kölner Galerie Gmurzynska als auch vom Kölner Museum Ludwig.

Eine Klage gegen die Fondation Beyeler bei Basel auf Herausgabe des einst im Küpperschen Wohnzimmer hängenden Schlüsselgemäldes Improvisation Nr. 10 von Wassily Kandinsky aus dem Jahr 1910 geht im März in die nächste Runde.

Nun beanspruchen erstmals mit einem öffentlichen Auftritt und der Vorlage einer Art Streitschrift die Nachfahren aus der ersten Ehe von Sophie Küppers ihre Rechte. Es sind die in Moskau lebende Enkelin Olga Küppers und die in Dresden ansässige Anita Templin, geborene Küppers. Verfügt Jen Lissitzkij mit Toussaint und einer bekannten New Yorker Anwaltskanzlei über kraftvolle Interessenvertreter, so bildet sich nun auch um die beiden Frauen eine streitbare Entourage. Vor drei Wochen hat der in Leipzig lebende Anwalt Christoph von Berg ihr Mandat übernommen. Er kennt sich in Beutekunstfällen aus. Erfolgreich erreichte er für die Bundesrepublik Deutschland die Herausgabe des Gothaer Domschatzes vom Auktionshaus Sotheby's.

Auch der seit 15 Jahren in den USA als Anwalt und Historiker auf Restitutionsfälle spezialisierte Willi Korte macht sich für die beiden bisher im Hintergrund stehenden Nachfahren stark. Als Gastgeber der Pressekonferenz zu ihren Gunsten lädt der israelische Autor David Markish. Als Vorsitzender der israelischen Union russischsprachiger Schriftsteller und Journalisten konnte er prominente Mitstreiter gewinnen: Auch Dvora Ben-David, Kulturattaché an der israelischen Botschaft, hat ihr Erscheinen zugesagt.

Korte findet es interessant, dass "erstmals die jüdische Gemeinde zum Thema Beutekunst dezidiert Stellung bezieht. Das habe ich bisher immer vermisst."

Mehrfach ist er gewarnt worden, an der Veranstaltung teilzunehmen. Wenn die Publikation, die der darin scharf angegriffene Detektiv Toussaint im Gespräch mit der ZEIT als "Machwerk alter Seilschaften der Russenmafia" bezeichnet, kontert Korte gelassen: "Die wollte ich schon immer mal kennen lernen."