Vielleicht kommen Zeitungen (wie ihre Macher) in die Jahre, setzen Fett an oder werden greisenhaft dürr und hocken trüben Blickes an den Kiosken.

Die Züricher Weltwoche, ihrem 70. Geburtstag nahe, wurde 1933 von dem deutschen Emigranten Manuel Gasser und dem Schweizer Kurt von Schumacher gegründet - als helvetische Antwort auf die Gleichschaltung der Presse im Dritten Reich durch den braunen Medienkommandeur Joseph Goebbels. Liberal, unabhängig, mit sachter Neigung nach links war die Weltwoche und sie blieb, trotz mancher Verirrung, dem Geist der Anfänge treu. Bis das Blatt in den Besitz der ebenso behäbigen wie schmalspurigen Basler Mediengruppe geriet und unter einer neuen Chefredaktion der inneren Verödung preisgegeben wurde.

Die Rettung versprach sich Frank A. Meyer, der vitale Spiritus Rector der Verlagsgruppe Ringier, durch die Rückkehr zu den Qualitäten des Anfangs: gute - besser noch - glänzende Federn, freie, kritische Geister, liberal bis links. Ringier wollte das marode Blatt kaufen. Doch eine anonyme Eigentümergruppe kam Meyer zuvor und bemächtigte sich der Weltwoche in einem Mitternachtscoup.

Sie setzt auf den konservativen Chefredakteur Roger Köppel und den Geschäftsführer Filippo Leutenegger, der bei seiner früheren Tätigkeit im Schweizer Fernsehen nicht unbedingt durch Linksdrall aufgefallen ist. Die Zeitung aber hat ohne den libertären Geist, der sie all die Jahre auszeichnete, keine Zukunft, auch nicht als Magazin. Sie wäre schlicht überflüssig. Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Frank A. Meyer neigt nämlich nicht zur Resignation. pp