Ankara/Istanbul

Gegen die Morgensonne sind die Soldaten in Tarnuniformen kaum zu erkennen. Im Frühtau zu Fuß übt die türkische Infanterie. Zu hören ist sie ziemlich gut.

Der Zugführer befiehlt Liegestütz. Mit Gebrüll fährt der Haufen zu Boden.

Kampfliegestütz, zwanzig Mal. Dann wieder: "Alles auf!" Jetzt die Gewehrübung. Wild schwingen Ellenbogen durch die Luft. Den besonderen Dreh haben die fliegenden Gewehrkolben. Links kreisen, rechts austeilen - jeder Stoß gegen den imaginären Feind sitzt.

Schneidend brüllt der Zugführer über das Gelände: "Fundamentalisten!

Hinterhalt von links! Alles nieder!" Die abgetauchten Krieger kauern im Staub. Dann kommt der erwartete Befehl: "Auf zum Gefecht!" - die Meute erhebt sich und stürmt vor: "Allah!" Kein Irrtum: "Allah" ist der Schlachtruf dieser Armee, die seit den Reformen von Kemal Atatürk den in die Verfassung gemeißelten Laizismus des Landes verteidigt. Die Generale drängten 1997 einen islamistischen Premier aus dem Amt. Auf den Kriegsschiffen der Republik liegt der Koran parat. Die Synthese von beidem heißt Türkei.

Tee mit Saddam