Geschichte verbindet, Geschichte trennt. Immer wieder treten die Schatten der Vergangenheit zwischen Deutschland und Tschechien, es ist eine Nachbarschaft, die, so scheint es manchmal, einfach nicht gelingen will. Als vor zehn Jahren, am 27. Februar 1992, endlich ein Vertrag über die "freundschaftliche Zusammenarbeit" zwischen beiden Staaten unterschrieben wurde, war die Sudetendeutsche Landsmannschaft rasch zur Stelle, um die Regierung Helmut Kohl harsch zu kritisieren: Das Abkommen ignoriere wichtige historische Hintergründe.

Die sudetendeutsche Unzufriedenheit ließ die deutsch-tschechischen Beziehungen nicht zur Ruhe kommen und führte fünf Jahre später zur nächsten Vereinbarung: Im Januar 1997 unterzeichneten Kohl und Prags Ministerpräsident Václav Klaus die Deutschtschechische Erklärung über die gegenseitigen Beziehungen und deren künftige Entwicklung. Doch auch diesmal fanden die Klagen der sudetendeutschen Organisationen kein Ende - und als jetzt der tschechische Premier Milos Zeman in einem Interview die Sudetendeutschen als "fünfte Kolonne Hitlers" und Zerstörer der ersten Prager Demokratie bezeichnete, da flammte der historische Streit mit neuer Heftigkeit auf.

Dabei scheinen die Vertriebenen es oft nicht zu verstehen, warum sie in Tschechien immer noch so ungeliebt sind (um es einmal vorsichtig auszudrücken) und warum viele Tschechen mit ihnen nicht über die Vergangenheit sprechen möchten. Sie sehen darin einen Ausdruck von Hartherzigkeit, einen Mangel an Mitgefühl mit den Opfern des einstigen Unrechtsregimes in der Nachkriegstschechoslowakei und werfen Prag vor, unfähig zu sein, sich der Geschichte zu stellen.

Ein Treueschwur auf Adolf Hitler

Doch vielleicht sollte sich die Landsmannschaft auch einmal fragen, wie sie es denn selbst mit der Aufarbeitung, der Aufklärung der Vergangenheit hält.

Wer "die historische Wahrheit" so gern und laut im Munde führt, darf sich nicht scheuen, einmal in die eigenen Ecken zu leuchten. So ist zum Beispiel auf seltsame Weise in Vergessenheit geraten, warum die Sudetendeutschen denn in der tschechischen Öffentlichkeit als "Verräter" und "Totengräber" der ersten tschechoslowakischen Republik galten.

Eine Schlüsselfigur war der Führer der Völkischen im Sudetenland, der Turnlehrer Konrad Henlein (geboren 1898 in Maffersdorf bei Reichenberg, gestorben durch eigene Hand 1945 in Pilsen). 1933 hatte er die Sudetendeutsche Heimatfront gegründet. 1935 wurde sie in Sudetendeutsche Partei umbenannt