Kiffen erschafft eigentümliche Gefühlszyklen. Zunächst entspannt es, führt dann zu einer angenehmen Form von glückseliger Gleichgültigkeit, um schließlich die Ecken der Wahrnehmung leicht ausfransen zu lassen und in eine sublime Paranoia umzuschlagen - dafür muss man aber schon eine Menge rauchen.

Hört man sich das neue Album der Wiener Gruppe Sofa Surfers an, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als hätte die Gruppe auch bei einer hohen Dosierung nicht halt gemacht: Encounters (Klein Records/Virgin 81160902) klingt, als würde Kiffen böse machen.

Vielleicht muss das so sein, wenn man aus Wien kommt und ein für alle Mal den Ruf loswerden möchte, etwas mit dem Kaffeehaus-Dub zu tun zu haben, aus dessen Dunstkreis man Mitte der Neunziger einmal hervorgegangen war - vor allem wenn man einen Bandnamen hat, den der Rest der Welt damals am liebsten jedem zweiten Wiener Musikproduzenten als Berufsbezeichnung auf die Stirn tätowiert hätte. Doch ein Bandname ist ein eingetragenes Markenzeichen, so etwas wechselt man nicht, ein charakteristischer Sound ist dagegen Schall und Rauch. Und so spielte die Gruppe heuer Stücke ein, die sich anhören, als würde die Couch zwar noch stehen, aber im Fernsehen Horrorfilme laufen: Düstere Klanggebilde wabern durch moderige Echoräume, und gemeine Würgebässe drücken sich durch das Unterholz. Diese Instrumental-Tracks haben die Musiker dann von Sängerinnen und Sängern wie der jamaikanischen Reggae-Legende Junior Delgado oder Mark Stewart, einem Dubreggae-Veteran aus England, mit Vocals versehen lassen.

Die Doppelung der klaustrophobischen Sounds durch endzeitgetränkte Lyrics ist aber doch ein wenig viel des Bösen. Spätestens wenn es heißt "a nightmare has come to stay", denkt man sich nur noch: In Ordnung, setz dich hin, auch 'nen Zug?

Ihren schönsten Moment hat die Platte dann auch, wenn einmal nicht auf die Weltuntergangspauke gehauen wird, und Jeb Loy Nichols, der ehemalige Sänger der Experimental-Folk-Band Fellow Travellers, davon singt, wie er am Rande des Flusses des Lebens sitzt, das Wasser vorbeiziehen lässt und an all diejenigen denkt, die hineingesprungen und niemals zurückgekommen sind: "As for me, I think I stick on solid ground." Vielleicht sollte man es bei der glückseligen Gleichgültigkeit belassen.