Die verstörende Lücke bleibt. Historiker werden weiter mutmaßen, was bei jener schicksalhaften Begegnung zwischen den Atomphysikern Niels Bohr und Werner Heisenberg 1941 in Kopenhagen geschah, für die es keine Zeugen gibt.

Daran ändern die neuen Schriftstücke wenig, die das Niels-Bohr-Institut jetzt erstmals veröffentlichte. Die Briefentwürfe des dänischen Physikers an seinen deutschen Schüler von 1957, die er nie abschickte, liefern vor allem Zuspitzungen der bekannten Bohrschen Sicht.

Starke Dokumente sind sie dennoch: als Zeugnisse für den tragischen Gegensatz zwischen einer der dramatischsten Entscheidungssituationen der Wissenschaftsgeschichte und der Relativität der menschlichen Wahrnehmung, der selbst die brillantesten Köpfe unterworfen sind. Die Utopie ist dahin, persönliche Nähe könne politischen Würgegriffen standhalten. Auch unter Vertrauten verunmöglichten die Diktatur und die Explosivität wissenschaftlicher Entdeckungen jede Verständigung.

Als Heisenberg nach Kopenhagen kam, war ihm klar, dass die Atombombe gebaut werden konnte

jedoch nicht in Deutschland, nicht unter Kriegsbedingungen, was ihn zunächst von der Gewissensentscheidung entlastete, weiter mitzumachen. Wie weit aber waren die Amerikaner? Es gibt viele Deutungen für Heisenbergs Motive, seine Reise anzutreten. Eine lautet, er habe Bohr ausspionieren sollen. Plausibler ist, dass er hoffte, sein früherer Mentor könne das US-Atomprojekt verzögern

dass er sich über das ethische Dilemma, die Katastrophengefahr, mit ihm beraten wollte. Unter Freunden. Wie früher.

Durchaus naiv.